Die Exilarchen.
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der an der Spitze stehende Exilarch seine Machtbefugnisse über dieGemeinden mit dem Gaonat. Beide bildeten zusammen die Einheitdes Gemeinwesens. Der Fürst des Exils (Kesoll-Oaluta) vertratdie politische Seite. Er präsentierte die babylonische Judenheitgegenüber den Chalifen und den Statthaltern und zog die Steuernvon den Gemeinden ein, um sie der Staatskasse abzuliefern. DieExilarchen machten ein fürstliches Gepränge, trugen Prachtgemänder,fuhren in Staatswagen und hatten Vorreiter und eine Art Leibwacheund große, überhaupt fürstliche Huldigung^. Die religiöse Einheitdes Judenthums dagegen war in dem zweigestaltigen Gaonat dar-gestellt. Es legte den Talmud aus, um ihn auf's Leben anznwenden,erließ neue Gesetze und Bestimmungen, sorgte für deren Erfüllungund verhängte Strafe über die Uebertreter. Die richterliche Gewalttheilte der Exilarch mit dem Gaon von Sura und dem Schulhauptevon Pumbadita. — Es ist eine eigentümliche Erscheinung, daß damalsfast sämmtliche Religionsbekenntnisse einen politischen Halt suchten unddas Geistliche mit dem Weltlichen zu vereinen strebten. Das römisch-katholische Christenthum, oder die lateinische Kirche, suchte in Italieneinen politischen Schwerpunkt. Das Chalifat, ursprünglich ein geist-liches Amt, wollte, als es politische Gewalt angenommen hatte, dasJmamat oder die geistliche Autorität nicht fahren lassen. Daschaldäische Patriarchat, oder die morgenländische Kirche, und das Juden-thum mochten nicht ohne politische Gewalt bleiben und suchten sie,wenn auch in beschränktem Maße, mit Unterordnung unter das Chalifat,mit der geistlichen zu verbinden.
Das Verhältniß des Exilarchen zu den Schulhäuptern gestaltetesich der Art, daß dem ersten das Ernennungsrecht derselben zustand,doch wohl flicht ohne Zustimmung des akademischen Collegiums. DasSchulhaupt des suranischen Lehrhauses war aber allein berechtigt, denTitel Gaon zu führen neben dem alten Titel Resch - Metibta, derPräsident der pumbaditanischen Hochschule dagegen hatte offiziell jenenTitel nicht. Ueberhaupt genoß der Gaon von Sura mit der Hoch-schule eine durchgängige Bevorzugung vor seinem pumbaditanischenCollegen theils durch die Erinnerungen an deren große Gründer Rabund R' Aschi, und theils durch deren Nähe zu Kufa, der Hauptstadtvon Irak und dem islamitischen Osten. Das Schulhaupt von Surasaß bei feierlichen Gelegenheiten zur rechten Seite des Exilarchen,hatte überall den Vortritt, erhielt von gewissen Einkünften zwei Drittelfür sein Lehrhaus und vertrat den Exilarchen, wenn die Würde
*) Vergl. Note 11.