Bostanal.
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Äbte die Gerichtsbarkeit über sämmtliche Christen seiner Diöcese undzog von ihnen die Abgaben ein, die sie an das islamitische Staats-oberhaupt zu leisten hatten. Ganz dieselbe Stellung erhielt sicherlichin Folge geleisteter Dienste ein Abkömmling der Exilsfürsten vom HauseDavid, mit Namen Bo st an al^), den die mohammedanischen Feldherrenals Oberhaupt der Juden anerkannten. Omar zeichnete Bostanai sosehr aus, daß er ihm eine Tochter des Persischen Königs Chosru, mitNamen Dara, welche mit ihren Schwestern in Gefangenschaft gerathenwar, zur Frau gab^s (um 642). Eigentümliche Wendung des Ge-schickes! Der Enkel eines Geschlechtes, das sich der Abstammung vomHause David's rühmte, heirathete eine Fürstin, deren Ahnen ihreStammtafel bis auf Darius, den Gründer des persischen Königshauses,zurückführten! Bostanai war demnach der erste Exilarch, der vonder mohammedanischen Staatsmacht als Vasall eingesetzt war. Gleichdem nestorianischen Katholikos hatte der Resch-Galuta politische undrichterliche Befugnisse, und sämmtliche Juden des babylonischen Land-strichs bildeten unter ihm ein eigentümliches Gemeinwesen. Bostanaierhielt auch ausnahmsweise die Erlaubniß, einen Siegelring (Cusobpanka)zu führen, wodurch er den Urkunden und Erlassen einen osficiellenCharakter geben konnte. Das Jnsiegel trug das Bild einer Fliege,welches auf irgend eine unbekannte geschichtliche Anspielung deutete.
Bostanai, der Sohn des Exilarchen Chaninal (o. S. 13), mußübrigens keine unbedeutende Persönlichkeit gewesen sein, da die Sagesich an ihn geheftet und ihn schon vor der Geburt verherrlichen wollte.Sie erzählt: Ein König habe das ganze exilarchatische Geschlecht vomHause David's ausrotten lassen. In einem Nachtgesichte sei er aberwegen dieser frevelhaften That gewarnt worden. Als er nämlich imTraume sämmtliche Bäume eines Lustgartens (Boston) bis aufs kleinsteReis habe umhauen wollen, sei ihm ein ehrwürdiger Greis erschienen,habe ihm das Werkzeug der Zerstörung aus der Hand genommen undes ihm an die Stirne mit solcher Heftigkeit geschleudert, daß ihmein Blutstrom über Gesicht und Bart geflossen sei. Von Schmerzüberwältigt und von Ehrfurcht für den Greis ergriffen, habe der Königden Greis um Gnade angefleht und ihm gelobt, das zarte Reis, welchesdas Beil verschont, zu Pflegen, damit es zu einem laubreichen Baumeemporschieße. Beim Erwachen seien dem Könige die wirren Traum-bilder beunruhigend im Gedächtnisse geblieben, und Blutspuren anseinem Lager hätten ihn überzeugt, daß der Traum kein Phantom ge-wesen, sondern eine ernste Bedeutung habe. Begierig, die Deutung
') Vergl. Note II. -) Note 11.
Graetz, Geschichte der Juden. V.
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