Mohammed's Verhältniß zum Judenthume. L3
Zunge ihn anbeten werde", gerade wie zur Zeit, als Paulus vonTarsus zuerst die Hellenen mit der Geschichte und dem Inhalte desJudenthums bekannt machte. Das Beste, was der Koran enthält,ist der Bibel oder dem Talmud entlehnt ^). Erst die Kämpfe, dieMohammed in Mekka mehrere Jahre hindurch (612—622) für diesegeläuterten Lehren zu bestehen hatte, setzten diesem edlen Kerne einewiderliche Schaale an. Mohammed's Verhältniß zu den Juden Arabienshat nicht wenig dazu beigetragen, den Lehrinhalt des Islam zu be-stimmen und zu modificiren. Ihnen ist ein Theil des Koran baldin freundlichem, bald in feindlichem Sinne gewidmet.
Als Mohammed in Mekka, dem Sitze des arabischen Götzenthums,kein Gehör fand nnd sogar Gefahr lief, wandte er sich an einigeMänner aus Jathrib und forderte sie zur Annahme seiner Lehre auf.Diese, welche mit den jüdischen Religionslehreu vertrauter waren, alsdie Mekkaner, fanden in Mohammed's Offenbarungen viel Verwandt-schaft mit dem, was sie von ihren jüdischen Nachbarn öfter vernommenhatten. Sie zeigten sich daher geneigt, sich ihm anzuschließen, undbrachten ihre Stammgenossen dahin, ihn einzuladen, nach Jathrib znkommen, wo seine Lehren schon wegen der dort zahlreich wohnendenJuden Anklang finden würden. Sobald er dahin kam (622, demJahre der Auswanderung: Hegira), ließ es sich Mohammed angelegensein, die Juden von Jathrib für sich zu gewinnen, und sein Strebenso darzustellen, als wollte er das Judenthum zur allgemeinen An-erkennung in Arabien bringen. Er war gerade am Versöhnungstagein die Stadt eingezogen, welche von ihm den Namen bekommen sollte„Stadt des Propheten" (Medina), und als er die Juden fastend sah,sagte er: „Es geziemt uns noch mehr als den Juden, an diesemTage zu fasten," und er führte den Fasttag Aschura ein^). Moham-med schloß mit den jüdischen Stämmen ein förmliches Bündniß zugegenseitiger Hilfeleistung ^) und bestimmte ihnen zu Liebe die Richtungdes Angesichtes beim Gebete (Kiblah) nach Jerusalem ^). Bei Streitig-keiren zwischen Juden und seinen Anhängern (Moslemin), die ihmzur Entscheidung vorgelegt wurden, zeigte er sich den Juden geneigter.Deswegen zogen es die Jünger Mohammed's vor, ihre Streitsache
- *) Bergt. Geiger's Preisschrift: Was hat Mohammed aus dem Judenthumeausgenommen. Zu dem dort Gegebenen läßt sich noch Vieles hinzufügen.
2) Eine alte Tradition, die auf Abu-Musa und Jbn-Abbas, BegleiterMohammed's, zurückgeführt wird. Vergl. darüber laurusl asisligus Jahrg.18S8 x. 116 f. und 125.
o) Vergl. Oaussin äs i?srssvsl a. a. O. III. 22 ff.
4) Kommentatoren zu Koran Sura 2, 151 f. bei Naruooio Ilslututio x. 61.