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Geschichte der Juden.
Gattin Chadiga, der das Judenthum angenommen und Hebräisch zulesen verstand^), flößte sicherlich Mohammed Liebe für Abraham'sReligion ein.
In der Geschichte findet sich schwerlich eine Persönlichkeit, welcheMohammed gliche: er war ans Widersprüchen zusammengesetzt. Nebendemüthiger, gottdurchdrungener Frömmigkeit besaß er einen maßlosenHochmnth. Hingebung war in ihm gepaart mit Selbstsucht, Hochsinnmit Gemeinheit, schwungvolle Poesie mit engherzigem Kleinlichkeitssinn,Einfachheit und Mäßigkeit in Speise und Kleidung mit unersättlicherLiebesbrunst, Offenheit mit tückischer Verstellung, Muth mit Feigheit,ekstatische Verzückung mit berechnender Schlauheit. Jeder Zoll anihm war ein Araber, ein wilder Sohn der Wüste, und doch durchbracher die engen Schranken seines Volksthums und öffnete seinen Stamm-genossen einen weiten Gesichtskreis. Einerseits veredelte er die Araberdurch erhabene Lehren, andererseits bestärkte er sie in ihrer Beschränkt-heit und in ihren Vorurtheilen. Er verstand weder das Lesen, nochdas Schreiben und machte doch ein Buch (Koran) zum Mittelpunkteeiner neuen Religion.
Mohammed's erste Lehren, die er in krankhaftem Zustande derEpilepsie empfangen und in engem Kreise als höhere Offenbarungenvom Engel Gabriel ausgegeben hat, trugen ganz und gar einejüdische Färbung. Zu allererst stellte er den einfachen, abernoch nicht beherzigten Gedanken des Judenthums auf: „es giebt keinenGott als Allah", und erst später fügte sein Hochmnth den Satz als Be-kenntnißbedingung hinzu: „und Mohammed ist sein Prophet". Wenner von diesem Gotte sagte, er habe keinen Genossen (Antitrinität), erdürfe nicht im Bilde verehrt werden; wenn Mohammed gegen denwüsten Götzendienst predigte, der in der Kaaba mit dreihundertGöttern getrieben wurde; wenn er gegen die Unsittlichkeit eiferte, dieoffen und ohne Scheu unter den Arabern auftrat; wenn er die ge-fühlsempörende Unsitte verdammte, daß Eltern ihre neugeborenenTöchter aus Bequemlichkeit oder Besorgniß ins Wasser warfen, undwenn er dieses Alles als nichts Neues, sondern als Lehre der altenAbrahams-Religion ausgab, so mußte das Judenthum darin einenSieg seiner Wahrheiten und eine Erfüllung seiner Prophezeihungensehen, „daß einst jedes Knie sich zu dem einzigen Gotte beugen, jede
*) lbn-Isollalr iy Lirab ar-Uasrll und Uusss'in ^.ääiabsllri in Camisbei Weil: Mohammed Beilage zu Ende. Nöldeke hat in der Zeitschrift derdeutsch-morgen!. Gesellschaft (Jahrg. 1858 S. 699 ff.) gründlich nachgswiesen,daß Waraka Jude blieb und nicht zum Christenthum uberging, und daß derEinfluß des Christenthums aui Mohammed sehr gering war.