Juden in Arabien.
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von dort aus und wahrscheinlich auch von den babylonischen Lehr-häusern religiöse Anordnungen und Schriftdeutungen. Jathrib warder Sitz jüdischer Gelehrsamkeit; dort gab es Gesetzeslehrer (Achbür,Chabar genannt) in einem Lehrhause tNiärasZ, welche die Schrift aus-legten. Aber bedeutend war die Schriftkunde der arabischen Judennicht. Sie kannten sie nur durch die Brille agadischer Auslegung,wie sie ihnen auf ihren Reisen bekannt oder durch Einwohner zngetragenwurde. Die glänzende Geschichte der Vorzeit wuchs ihnen mit denlegendenhaften Zusätzen so sehr zusammen, daß sie das Gold von denSchlacken nicht mehr zu sondern vermochten. Mit dichterischer Phan-tasie begabt, schmückten arabische Juden ihrerseits die biblische Ge-schichte mit interessanten Zügen aus, die dann als echte Thatsachenin Umlauf kamen. Josephs Geschichte, schon in der Bibel eine an-ziehende, fast dramatisch spannende Erzählung, wurde in Arabienvon jüdischen Dichtern noch romantischer fortgebildet. Der Kern derschönen Dichtung von Joseph und Znlaika (der arabische Name fürPotiphar), ist sicherlich in jüdisch-arabischem Kreise entstanden^).
Indem die Juden Arabiens die Freiheit in vollem Maße genossenund keinerlei Zwang unterworfen waren, konnten sie ihre Religions-ansichten ohne Scheu vertreten und ihre heidnischen Nachbarn in harm-loser Mittheilung damit bekannt machen. Der für Geistiges em-pfängliche Sinn der Araber fand Gefallen an dem halb kindlichen,halb erhabenen, Poetisch-religiösen Inhalte der heiligen Schrift, undallmälig wurden gewisse jüdische Vorstellungen und religiöse Begriffein Arabien heimisch und geläufig^). Die arabischen Juden gaben denArabern eine Kalenderordnung, ohne welche sie sich gar nicht zurechtfinden konnten. Die Araber hatten nämlich vier heilige Monate imJahre, in denen Waffenstillstand zwischen den sich befehdenden Stämmenund das Aufschieben der Blutrache stattfanden. In diesen Monatenfand die Pilgerschaft nach Mekka und der Besuch von Marktplätzen
h Laräurvi zu Koran Sura II. VO.
2) Der Eingang der zwölften Sura des Koran von Joseph zeigt deutlich,daß die Geschichte und Sage von Juden stammen.
0) Geiger schließt irrthümlich aus dem Vorkommen mehrerer hebräischenund talmudischen Wörter im Koran, wie NbaurLt, ImalrLt, 6'uirab-^.än,0's,bs,nns.ru, 8s.bt, llrübüb, Lslrirrulr, ^.alrbur, NaZIrub (Nslut, nixu Götzemdienst), zu denen man noch hinzufügen könnte Mlsssislr, blsbi, und andere,daß Mohammed sie aus dem Judenthume ausgenommen habe. Im Gegentheil,da sie im Koran ohne Erläuterung gebraucht werden, so folgt daraus, daßsie bereits vor Mohammed eingebürgert waren und von Mohammed'sZuhörern ohne Weiteres verstanden waren. Vergl. Geiger's Preisschrift: Washat Mohammed aus dem Judenthum ausgenommen S. 44 ff.