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Geschichte der Juden.
heidnischgesinnten Römer fuhren fort den Jupitertag (Donnerstag) zufeiern, die Westgothen ihre heidnischen Gebräuche zu beobachten, undso durften sich die Juden auch nicht scheuen, ihre Religionsvorschriftenzu beobachten. Eine Verschwörung der Großen und Geistlichen ent-thronte aber den edlen König Swintila und erhob an dessen Stelleein gefügiges Werkzeug, mit Namen Sisenand. Die Geistlichen ge-wannen wieder unter diesem Könige die Oberhand. Noch einmalwurden die Juden Gegenstand der synodalen Verhandlung auf derKirchenversammlung zu Toledo (633). Au der Spitze derselben standein zwar unterrichteter und billig denkender Prälat Isidor, Erzbischofvon Hispalis (Sevilla), der aber doch die Befangenheit seiner Zeittheilte. Diese Kirchenversammlung sprach den Grundsatz aus, daß dieJuden nicht mit Gewalt und durch Strafandrohungen zum Christen-thum geführt werden sollen, aber die Reccared'schen Gesetze solltengegen sie vollstreckt werden. Die ganze Strenge der geistlichen Gesetz-gebung sollte die unter Sisebut gewaltsamer Weise bekehrten und wiederzurückgetretenen Juden treffen. Obwohl die Geistlichkeit selbst jenenSchritt tadelte, so hielt sie es doch für eine Pflicht, diejenigen, welcheeinmal der kirchlichen Sacramente theilhaftig geworden waren, imChristenthume zu erhalten, „damit der Glaube nicht geschändet werde".Jene Zeit kannte nun einmal die Religion nur als ein äußerlichesBekeuntuiß. Die Sophisterei, daß Jemand eine Weihe an sich tragenkann, die ihm widerwillig aufgelegt war, der er stets zuwiderhandelt,ja gegen die er einen Abscheu empfindet, beherrschte das ganze Mittel-alter und beherrscht noch heute solche Kreise, welche das in die SinneFallende und Materielle höher stellen, als das Innerliche und Geistige.Die unter Sisenand tagende Synode bestimmte demgemäß, daß die ein-mal getauften Juden mit Gewalt von der Beobachtung der jüdischenReligion und dem Umgänge mit ihren Stammgenossen entzogen, daßdie Kinder beiderlei Geschlechtes ihrem Herzen entrissen und in Klöstergesteckt werden sollten. Die ehemals getauften Juden, welche dabeiergriffen werden sollten, daß sie Sabbat und jüdische Feiertage be-obachteten, sich nach jüdischem Ritus verheiratheten, die Beschneidungübten, sich gewisser Speisen nach der Norm des Judenthums enthielten,sollten diese Uebertretung mit Verlust der Freiheit büßen. Sie solltenzu Sklaven gemacht und nach Bestimmung des Königs an rechtgläubigeChristen verschenkt werden. Die gewaltsam bekehrten Juden und ihreNachkommen sollten nach dieser kanonischen Gesetzgebung nicht alsZeugen zugelassen werden, „weil derjenige nicht gegen Menschen wahr-haft sein könne, der gegen Gott treulos geworden" ^), so lautete die>) Quellen in Dissertation S. 9 und 34.