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5 (1895) Geschichte der Juden vom Abschluß des Talmuds (500) bis zum Aufblühen der jüdisch-spanischen Kultur (1027)
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Juden in Deutschland und Spanien. 53

Die Juden in Deutschland sind sicherlich nur als Kolonien derfranzösischen zu betrachten, mit denen sie in dem den merovingischenKönigen unterworfenen Anstrasicn gleiches Geschick getheilt haben.Nach einer Chronik sollen die ältesten Juden der Rheingegend Nach-kommen jener Legionen gewesen sein, welche sich an der Einäscherungdes Tempels betheiligt hatten. Die Wangionen hätten sich aus derUnzahl jüdischer Gefangenen schöne Weiber ausgesucht, sie in ihrStandquartier an den Ufern des Rheins und des Mains gebrachtund sie zur Befriedigung ihrer Lust gebraucht. Die aus jüdischemund germanischem Blute geborenen Kinder wären von den Mütternim Judenthum erzogen worden, weil die Väter sich nicht um sie ge-kümmert haben. Diese Mischlinge sollen nun die ersten Gründer derjüdischen Gemeinden zwischen Worms und Mainz gewesen sein. Sicherist es, daß in der römischen Kolonie der Stadt Köln eine jüdischeGemeinde bestand, lange ehe noch das Christenthum durch Konstantinzur Macht gelangt war. Die Gemeindeführer und die angesehenenMitglieder hatten von den vorchristlichen Kaisern das Privilegium,von den lästigen städtischen Aemtern befreit zu sein. Der erste christ-liche Kaiser beschränkte sie aber darin und befreite nur zwei oderdrei Familien davon. Auch hatten die kölnischen Jude» das Privilegiumeigener Gerichtsbarkeit, welches sie bis in das Mittelalter hinein be-halten durften. Ein nichtjüdischer Kläger, selbst ein Geistlicher gegeneinen Juden mußte seine Klage vor dem jüdischen Richter (Jnden-bischof) anbringen. Wenn die Geschichte der Juden in europäischenLändern, Byzanz, Italien, Frankreich nur ein geringes Interesse darbietet,so erhebt sich die Geschichte derselben auf der Pyrenäischen Halbinsel zueiner höheren Bedeutung. Die jüdischen Bewohner dieser glücklichenHalbinsel haben durch ihre innige Betheiligung an dem Lande, dassie liebten, wie man nur ein ererbtes Vaterland liebt, zu dessen Größebeigetragen, und dadurch weltgeschichtlich eingegriffen. Für die Ent-wickelung des Judenthums hat das jüdische Spanien fast eben so vielbeigetragen wie Judäa und Babylonien, und wie in diesen Ländern,so ist auch in jenem an fast jeden Fußtritt für den jüdischen Stammeine unvergeßliche Erinnerung geknüpft. Cordova, Granada und Toledoheimeln die Juden ebenso verwandt an, wie Jerusalem und Tiberiasund fast noch mehr als Nahardea und Sura. In Spanien erlangtedas Judenthum, nachdem es im Morgenlande zum Stillstand gekommenund altersschwach geworden war, neue Jugendfrische und wirkte be-fruchtend über einen weiten Kreis. Spanien sollte einen neuen Mittel-punkt für die weithin Zerstreuten bilden, in dem sie sich geistig sammelnund auf den sie mit Stolz Hinweisen konnten. Mehr als in andern