Gregor von Tours und Priscus.
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der Reliquien und dafür von Gregor von Tours als Nero undHerodes gebrandmarkt wurde — folgte dem von Avitus ausgegangenenBekehrungseifer. Auch er zwang die Juden seines Reiches, die Taufeauzunehmen, und hob selbst die jüdischen Neophyten aus der Taufe,war aber mit dem Schein der Bekehrung zufrieden und hatte nichtsdagegen, wenn die Juden nichtsdestoweniger fortfuhren, den Sabbatzu feiern und die Gesetze des Judenthums zu beobachten.
Ein angesehener, reicher Jude Priscus aus Paris, Geschäfts-träger und Juwelier *> des Königs Chilperich, war standhaft gebliebenund ließ sich nicht bekehren, obwohl der König es ihm sehr ans Herzlegte. Einst als Priscus und der Bischof von Tours bei Chilperichwaren, faßte der König den Ersteren freundlich beim Kopf und sprachzum Letzteren halb scherzhaft, halb ernst: „Komm, Priester Gottesund lege diesem die Hand ans." Priscus mochte es aber nicht soweit kommen lassen und eröffnete mit dem König und Gregor, derals Repräsentant der gelehrten christlichen Theologie galt, ein Religions-gespräch. „Ich kann nicht glauben," sprach er, „daß Gott eine Eheeingegangen sei und einen Sohn habe, noch daß er überhaupt einesTeilnehmers an seinem Reiche bedürfe. Wie könnte Gott Menschwerden, von einem Weibe geboren, gegeißelt und dem Tode über-liefert werden'?" Chilperich wurde bei diesen Worten stutzig undüberließ dem Bischof die Verteidigung der Glaubenslehren. Priscussetzte ihm aber scharf zu, da er in der Bibel sehr belesen war.Er sprach weiter: „Wenn Gott die Menschen von der Sünde erlösenWollte, brauchte er sich nicht zu vermenschlichen und sich gewissermaßenzu erniedrigen; er hätte dazu seine auserwählten Propheten undApostel senden können." Priscus' Gewandtheit brachte Gregor vonTours in solche Verlegenheit, daß er, außer Stande, beglaubigteBelegstellen für die Menschwerdung und Kreuzigung aus den biblischenUrkunden heranzuziehen, sich auf apokryphische, von christlicher Handeingeschobene Verse zu berufen gezwungen war *).
') Priscus war vielleicht auch Münzmeister zusammen mit Domnulusum 555 in Chalons für Marne vergl. l?cmton ä'Xmsaourt, ässariptiouraisounss äss monnaiss raüroviuZisvmss Paris 1874; Hövus äss lA.j. X. 237.
2) Gregor von Tours lristoris, tHanoorain IV. 5. Gregor citirt als Beweisfür die Kreuzigung jenen apokryphen Vers aus den Psalmen: Oovaiuus rsZ-navit s liAno, der sich zu Hieronymus' Zeit nicht mehr im Psalter fand, wiedieser Kirchenvater im xrolvAUs Aslsatus bezeugt. Dieser Vers soll sich ineinem lateinischen Psalmcodex auf der Pariser Bibliothek erhalten haben. Daßer von christlicher Hand eingeschoben und nicht „von den Rabbinen vertilgtworden", wird bei dem jetzigen Stand der Bibelexegsse und den erkanntenGraetz, Geschichte der Juden. V. 4