Druckschrift 
5 (1895) Geschichte der Juden vom Abschluß des Talmuds (500) bis zum Aufblühen der jüdisch-spanischen Kultur (1027)
Entstehung
Seite
47
Einzelbild herunterladen
 

Die Juden in Frankreich.

47

Die jüdische Bevölkerung seines Bisthnms war ihm ein Dornim Auge, und er fanatisirte seine Beichtkinder gegen dieselbe. Wieder-holentlich forderte er die Juden Clermonts zur Bekehrung auf, undda seine Predigten taube Ohren fanden, so stachelte er die Menge auf,die Synagogen zu überfallen und sie dem Erdboden gleich zu machen.Damit begnügte sich indeß der Fanatiker nicht, sondern stellte denJuden die Wahl, sich entweder taufen zu lassen oder die Stadt zu verlassen.Aber nur ein einziger Jude empfing die Taufe, wurde aber dafür inder ganzen Gemeinde Gegenstand des Abscheus. Als er in seinem weißenTäuflingsgewande am Pfingsten durch die Straße ging, wurde er voneinem Juden mit übelriechendem Oel begossen. Das schien der fanatisirtenMenge eine Herausforderung, und sie griff die Juden thätlich an.Da diese sich in ihre Häuser zurückzogen, wurden sie überfallen, undViele von ihnen ermordet. Der Anblick des vergossenen Blutes machtedie Schwachherzigen schwankend, und fünfhundert derselben flehten denBischof Avitus um die Gnade der Taufe an und beschworen ihn, so-fort dem Gemetzel Einhalt zu thun. Die treu gebliebenen Juden ent-flohen jedoch nach Marseille (576 Die christliche Bevölkerung be-ging den Tauftag der Fünfhundert mit ausgelassenem Jubel, als wenndas Kreuz sich eines Sieges rühmen dürfe, den das Schwert errungen.Die Nachricht von dem Vorfall in Clermont machte den Fanatikerngroße Freude. Der Bischof Gregor von Tours forderte den

frommen Dichter Venantius Fortunatus auf, die Großthat desAvitus zu besingen. Aber die lateinischen Verse des aus Italien nachFrankreich eingewanderten Dichters haben, anstatt Avitus zu verherr-lichen, ihm ein Schanddenkmal gesetzt. Sie veranschaulichen rechtlebendig, daß die Inden von Clermont unschuldig gelitten und sichnur mit Verzweiflung im Herzen zum Christenthume bekehrt haben.Einige Verse aus der langen Siegeshymne des Fortunatus geben einlebendiges Bild der damaligen Zeitanschaunng.

Arger Zwist gährte damals im Schooß der Avsrnergemeinds,

Die vereint in der Stadt, aber im Glauben entzweit;

Ekler Judengeruch war Christi Getreuen zuwider,

Ein ungläubiger Stamm Aergerniß gläubigem Volk:

Stolzer Nacken, er will des Herren Joch nicht ertragen,

Aufgeblähtem Gemüth schwillt gar so eitel der Kamm.

Ost zwar hat sie ermahnt in des Herren Liebe der Priester,

Daß der Bekehrten Saat sprieße zum Himmel empor;

Aber es hält ein Schleier den Geist mit Düster umfangen,

Daß ihr schändlicher Blick nimmer erschaue das Licht.

Nun ist gekommen der Tag, da der Herr zum Himmel hinauf fuhr,

*) Gregor von Tours lristoris. b'i-uirooru.rll V. 11.