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5 (1895) Geschichte der Juden vom Abschluß des Talmuds (500) bis zum Aufblühen der jüdisch-spanischen Kultur (1027)
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Theoderich und die Juden Italiens.

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Niemanden zwingen, gegen sein Gewissen zu glauben." Er gestatteteden Juden weder neue Synagogen zu bauen, noch alte zu verzieren,sondern nur die schadhaften auszubessern

Allein der ostgothische Herrscher setzte einen Ruhm darein, denFrieden im Innern aufrecht zu erhalten und die Gesetze achten zulassen und ward auch den Juden gerecht, wenn ihnen ohne ihr Ver-schulden Unbill zugefügt wurde. Der geheime Haß der Katholikengegen die Arianer, die mit tiefem Ingrimm die Ketzerei auf demThrone sahen, während die katholische Kirche nur großmüthig geduldetwar, ergriff jede Gelegenheit, um Theoderich ungestraft etwas versetzenzu können. Als in Rom einst einige Sklaven gegen ihre jüdischenHerren sich auflehnten, rottete sich der Pöbel zusammen, verbranntedie Synagoge, mißhandelte die Juden und plünderte ihre Habe, umTheoderich's Erlasse zu verhöhnen. Dieser, davon in Kenntniß ge-setzt, machte dem römischen Senat, der nur noch ein Schatten seinerehemaligen Größe war, bittere Vorwürfe darüber, daß er solchem Unfugnachgesehen, und trug ihm mit aller Strenge auf, die Sch uldigen zu er-mitteln und sie zum Schadenersatz anzuhalten. Da aber die Urheberdes Tumults nicht entdeckt werden konnten oder sollten, verurtheilteTheoderich die römische Commune zum Schadenersatz. Indessen gab eseinige Fanatiker darunter, welche bei dieser Gelegenheit ihren Wider-stand gegen Theoderich mit einer Art Märtyrersucht zeigen wollten,und diese verweigerten ihre Beiträge zum Ersatz des den Juden zu-gefügten Schadens. Theoderich verstand aber den Hintergedanken undließ nicht mit sich spaßen, ließ vielmehr die Opponenten durch HenkersHand auf öffentlicher Straße geißeln. Aber diese Strenge hetzteihm die ganze katholische Kirche auf den Hals^).

Es wirft ein günstiges Licht auf die italienischen Juden dieserZeit, daß trotz der allgemeinen Verwilderung und Entsittlichung diepolitische und kirchliche Literatur ihnen kein anderes Verbrechen zurLast legt, als Verstocktheit und Unglauben; das Judenthum muß siealso vor der allgemeinen Lasterhaftigkeit geschützt haben. Cassiodor,Theoderichs Rathgeber, der nach Ablegung aller Würden Mönch ge-worden war und unter andern Schriften auch eine homiletische Auslegungder Psalmen verfaßt hat, nimmt in diesem Werke häufig auf dieJuden Rück-sicht, redet sie apostrophisch an und wendete alle rednerischen Mittelan, um sie zu bekehren:Höret, ihr Juden, begreifet, ihr Hartnäckigen,

') Das. II. 27.

2 ) Das. IV. 43. Vergl. Gibbon, Geschichte des Verfalles des römischenReiches, übersetz! von Sporschil 1327.