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5 (1895) Geschichte der Juden vom Abschluß des Talmuds (500) bis zum Aufblühen der jüdisch-spanischen Kultur (1027)
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Die Völkerwanderung und die Juden. 35

gebürt gebracht; aber was hat Israel den Barbaren und Gothen ge-than^)?" Aber was konnten die Barbaren den Juden rauben? Ihrepolitische Selbständigkeit hatten sie längst eingebüßt, und ihr geistigesGut war gesichert genug, um zerstört werden zu können; aber Romrissen sie die Krone vom Haupte und legten ihm das Sklavengewand an.

Nicht einmal politischer Mittelpunkt von Italien blieb Rom,sondern Ravenna, abwechselnd mit Verona, wurde Residenz des ost-gothischen Reiches. In diesen Städten, sowie in Rom, Mailand undGenua waren auch in dieser Zeit jüdische Gemeinden. Auch in Unter-italien waren die Juden zahlreich vertreten, namentlich in dem schönenNeapel, auf der Insel Sicilien in Palermo, Messina, Agrigent undSardinien. . Bei Venusia, dem Geburtsorte des Dichters Horaz, zeugennoch griechische, lateinische und hebräische Inschriften auf Grabmälernvon dem Vorhandensein einer nicht unbedeutenden Gemeinde aus derKaiserzeit. In Palermo wohnten jüdische Familien von altem Adel,welche den Namen Nasas (Naßi) führten und vielleicht aus demPatriarchenhause abstammen. Als Rechtsquelle für die italienischenJuden galten gesetzlich die theodosianischen Dekrete, daß sie zwar ihreeigene Gerichtsbarkeit und innere Gemeindeverwaltung haben, aberkeine neue Synagoge bauen dürften, von richterlichen Aemtern undMilitärgraden ausgeschlossen sein und keine christlichen Sklaven haltensollten. Der letzte Punkt gab öfters Veranlassung zu Reibungen zwischender Geistlichkeit und den Juden. Denn die häufigen Einfälle derbarbarischen Völker und die Kriege häuften die Zahl der Gefangenen,und die Juden trieben lebhaften Sklavenhandel, waren aber nicht dieeinzigen Sklavenhändler. Die entvölkerten Städte und die verödetenAecker machten den Sklavenmarkt zum Bedürfniß, um Arme für dieGewerbe des täglichen Lebens und den Ackerbau zu haben. Die jüdischenBesitzer pflegten ihre Sklaven in das Judenthum aufzunehmen, theilsweil dies eine talmudische Anordnung war, die Sklaven entweder zubeschneiden oder, wenn sie sich dagegen sträubten, sie wieder zu ver-äußern, und theils um nicht bei der Ausübung religiöser Vorschriftenvon fremden Elementen im Hause gestört zu werden. Die Sklavenselbst zogen es vor, bei ihren jüdischen Herren zu bleiben, die sie mitseltenen Ausnahmen menschlich behandelten, sie als Hausgenossen be-trachteten und Freud und Leid mit ihnen theilten.

Indessen wenn auch die Beschränkungen des theodosianischen CodexGesetzeskraft hatten, so kam es noch immer darauf an, ob sie auchpraktisch gehandhabt wurden. Die Bischöfe auf dem apostolischen Stuhl,

1) Midrasch zu Psalter. Ps. 25 und 109; vergl. Jalkut zu den Stellen.