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5 (1895) Geschichte der Juden vom Abschluß des Talmuds (500) bis zum Aufblühen der jüdisch-spanischen Kultur (1027)
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20 Geschichte der Juden.

und au ihn, als die letzte Instanz appellirte. Justinian mußtesich allerdings nach seiner Anschauungsweise für die griechische Ueber-setzuug entscheiden. Er empfahl den Juden, sich besonders der Septuagintaoder Aquila's Uebersetzung beim Gottesdienste zu bedienen. Auch in jedeandere Sprache, wie die lateinische in den italischen Provinzen, solltendie Vorlesungen aus der heiligen Schrift übertragen werden. Soweit war Justinian im Rechte. Er verbot zwar auch, unter An-drohung körperlicher Züchtigung, den Anhängern der alten Liturgie,die griechische oder neuerungssüchtige Partei in den Bann zu legen.Aber auch diese Verfügung könnte allenfalls als ein Akt derGerechtigkeit angesehen werden, indem der Kaiser die liturgische Freiheitgewahrt wissen wollte. Allein eine andere damit verbundene Ver-fügung zeigt unzweideutig, daß er damit nur ein Bekehrnngsinteresseverfolgt hat, weil er im Wahne war, daß durch die Benutzung dergriechischen Uebersetzung beim synagogalen Gottesdienste, namentlichder Septuaginta, welche bereits christlich zugestutzt war, die Judenfür den christlichen Glauben gewonnen werden würden. Er verfügtenämlich bei schweren Strafen, daß sämmtliche jüdische Gemeinden desbyzantinischen Reiches sich bei den sabbatlichen Vorlesungen durchauseiner Uebersetzung in griechischer oder lateinischer Sprache bedienensollten, natürlich auch diejenigen, welche gar keine Lust dazu hatten.Er verbot ferner die bis dahin übliche agadisch-erbaulicheAuslegung der heiligen Schrift (öevr^oimx) zu gebrauchen. Justinianwollte demnach die nationale Auffassung der heiligen Schrift zu Gunstender im Sinne des Christenthums vielfach veränderten Uebersetzung unter-drücken. Der Gottesdienst in der Synagoge sollte als Mittel zurBekehrung der Juden dienen, und der fromme Geist, der in den aga-dischen Auslegungen und Homilien weht, sollte vermittelst der typo-logischen Umdeutung des Inhaltes zu Gunsten der christlichen Glaubens-lehren verbannt werden. Justinian, der Despot, beabsichtigte alsokeineswegs der Synagoge eine Art Freiheit zu schenken, sondern wollteim Gcgentheil ihr eine Art Zwang auflegen. Es war ihm auch sosehr ernst mit diesem Erlasse, daß er seinem Minister Areobindusden Befehl ertheilte, das Edikt in Betreff der griechischen Uebersetzungbei synagogalen Vorlesungen allen Beamten der Provinzen bekannt zumachen und ihnen einzuschärfen, über die pünktliche Erfüllung desselbenstreng zu wachen (13. Februar 553 Z.

Indessen hat dieses bösgemeinte Edikt keine weitern Folgengehabt; das Bedürfniß nach einer Uebersetzung der heiligen Schrift

') S. Note 7