Justinian und seine judenfeindlichen Gesetze. 19
lassenschaft testamentarisch verfügen durften. Es war dies ein Aktder Rache gegen die Samaritaner, weil sie mehrere Aufstände gegendie kaiserliche Gewalt versucht und sich einst auch einen König Julianben Sabar gewählt hatten (um 530). Da die Juden sich aber nichtan diesem Aufstande bethciligt hatten fl, so genossen sie einen gewissenVorzug vor den Samaritanern. Sonst stellte Justinian die Anhängerbeider Bekenntnisse in jeder Beziehung gleich. Obgleich die Juden undSamaritaner gleich den Ketzern von Ehrenämtern ausgeschlossen waren,sollten sie nach einer Verfügung das lästige und kostspielige Decurionat(Magistratswürde) zu übernehmen verpflichtet sein, ohne jedoch diePrivilegien zu genießen, die damit verbunden waren, nämlich Freiheitvon Geißelstrafe und Exil. „Sie sollten das Joch tragen, wenn sieauch darunter seufzen; aber jeder Ehre sollen sie unwürdig gehaltensein" (537 fl.
Der Kaiser verbot auch bei schwerer Strafe den Juden amPassah-Feste feiertägigen Gottesdienst zu halten und ungesäuertesBrod zu genießen. Es gab nämlich noch immer eine christliche Sekte,die „Vierzehntägigen" genannt, welche die Ostern nicht nach derBestimmung der nicäischen Kirchenversammlung unter Constantin amSonntag nach Vollmond im Frühlingsanfang feierten, sondern sichnach dem jüdischen Passah-Fest richteten und sie mit den Juden zu-gleich am fünfzehnten Nissan begingen. Anstatt diese Sekte zur
Beobachtung der kirchlichen Regeln anznhalten, verletzte Justiniandurch ein Gesetz das Gewissen der Juden auf das Empfindlichste.So oft nämlich in einem dem Schaltjahr vorangehenden Jahre dasjüdische Passah-Fest mit dem christlichen Ostern zusammentraf, durftenes die Juden nicht in dieser Zeit feiern, damit es nicht den Anscheinhabe, als feierten die Christen das jüdische Passah. Noch andere Ein-griffe machte Justinian in die religiösen Angelegenheiten. Eine jüdischeGemeinde, vielleicht in Konstantinopel, war seit einiger Zeit in Spaltunggerathen. Ein Theil derselben wünschte, daß der Vorlesung aus demPentateuch und den Propheten an den Sabbaten und Feiertageneine Uebersetzung der verlesenen Abschnitte in griechischer Sprachefür die Unkundigen und das weibliche Geschlecht nebenhergehen solle.Die Frommen dagegen und namentlich die Gesetzeslehrer empfandeneine Scheu, die Sprache ihrer Peiniger und die Sprache der Kirchebeim Gottesdienste zu gebrauchen, wohl auch darum, weil dann keineZeit für die krause agadische Auslegung bliebe. Der Streit darüberwar so heftig, daß die griechische Partei ihn vor den Kaiser brachte
fl S. Note 0 . fl idlovslls, 45.