Druckschrift 
5 (1895) Geschichte der Juden vom Abschluß des Talmuds (500) bis zum Aufblühen der jüdisch-spanischen Kultur (1027)
Entstehung
Seite
14
Einzelbild herunterladen
 

14

Geschichte der Juden.

gemacht. Das Exilarchat galt als Ueberbleibsel aus einer glorreichenZeit; da aber die Träger sich durch nichts besonders ausgezeichnethaben, sind ihre Namen in der erinnerungsarmen Epoche bis aufwenige der Vergessenheit verfallen. Ueberhaupt ist die Saburäerepocheeine der dürftigsten in der ganzen jüdischen Geschichte. Sie hat außerMar-Sutra keine bedeutende Persönlichkeit erzeugt. Die Träger der-,selben, die Schulhäupter, waren unselbständig, lebten von den Brosamender talmudischen Zeit und haben auch nicht ein einziges Literatur-erzeugniß von Belang zu Tage gefördert, das Werth gewesen wäre,der Nachwelt aufbewahrt zu werden. Das jüdische Babylonien, dasgleichzeitig mit der Saffanidenherrschaft seinen Anfang und Aufschwunggenommen, versank mit derselben zugleich in Schwäche; weil ihm aber,als dem vom Geiste Getragenen, mehr Kraft innewohnte, verfiel esnicht in Untergang, sondern raffte sich, von einem erfrischenden Luft-zug der Geschichte angeweht, aus dem Schlummer wieder auf.

Für die Juden im Persischen Morgeulande wechselte doch wenigstensSturm mit Windstille ab. Im Stammlande und in dem byzantinischenMorgenlande dagegen war ihnen weder die Ruhe vergönnt, welche dieGleichgültigkeit der Herren gegen eine Volksklasse gewährt, noch wurdensie von Stürmen gepeitscht, welche, wenn sie niederwerfen, zum Auf-raffen stählen. Das byzantinische Reich, dem auch das heilige Landverfallen war, fügte zu dem altrömischen Hochmuth noch die griechischeTücke und die Giftigkeit hinzu, welche die Gläubigen aus den Kirchen-vätern gegen die Juden gesogen hatten. In Byzanz wurde das Stich-wort eiugeführt, welches den Juden das allerschwerste Verbrechen auf-halste; sie wurden als Gottesmörder gebrandmarkt. Trotzdem schlugman sie nicht todt, sondern duldete sie, um sie zu entwürdigen, sieelend und verkümmert zu machen, damit sie als abschreckendes Beispielihrer gottesmörderischen That dastehen sollten.

Laut der Gesetzgebung Theodosius des Jüngeren, die von Justindem Aelteren neuerdings eingeschärft wurde Z waren die Juden vonEhrenämtern ausgeschlossen und durften keine Synagogen bauen. SeineNachfolger, durchweg fanatisch gesinnt, ließen die Gesetze gegen sie mitaller Strenge handhaben. Von welchem Geiste die oströmischenMachthaber gegen die Juden beseelt waren, bezeugt ein Aus-spruch des Kaisers Zeno, des isaurischeu Emporkömmlings. In An-tiochien, wo, wie in allen größeren Städten des byzantinischen Reichesdas Rennbahnspiel und die Parteiung der zwei Farben, der Blauenund Grünen, bestanden, hatten die Letzteren einst einen jener Aufläufe

^ Ooäsx äustinmiü I,. I. D. V. Z 12.