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Geschichte der Juden.
Denn die Schwankung und Ungewißheit durften nicht fortdauern,wenn das religiöse Leben nicht in Verfall gerathen sollte. Die Richtermußten eine feste Norm haben, nach der sie in vorkommenden Fällenentscheiden könnten, und Jedermann brauchte eine unzweifelhafte Vor-schrift, um das religiöse Leben zu regeln. Von dieser Seite ihrerThätigkeit, dem Feststellen der religiösen und richterlichenPraxis nach Abwägen des Für und Wider, erhielten die nach-amoräischen Lehrer den Namen Saburäer (Laduro't), weil sie nachBeurtheilung der verschiedenen Meinungen (Fodara) die endgültigeEntscheidung getroffen haben*). Die Saburäer, deren Thätigkeit !gleich nach Abschluß des Talmuds begonnen hatte und von R, Giza,
R. Simuna und ihren Genossen mir fortgesetzt wurde, verfolgten eine imehr praktische als theoretische Richtung. Sie getrauten sich nichteine eigene Meinung zu befolgen, welche im Widerspruch mit denAutoritäten des Talmuds stünde.
Die saburäischen Schulhäupter R. Giza und R. Simuna ließensich zunächst angelegen sein, den Talmud schriftlich abzufassen").
Sie bedienten sich theils mündlicher Ueberlieferung, theils schriftlicherNotizen, welche sich der Eine oder Andere gemacht hatte, um demGedächtnisse zu Hülfe zu kommen. Da den Nachkommen der AinorasAlles, was von diesen Autoritäten stammte, bedeutsam schien, sonahmen sie jede Aeußerung, jede Anekdote, wie sie in den Lehrkreisenim Umlauf war, willig auf, um der Nachwelt die Fülle der Weis-heit, wie es ihnen schien, nicht vorzuenthalten. Zur Erläuterungdunkeler Stellen fügten sie Zusätze hinzu, die sich von dem ursprüng-lichen Text durch größere Deutlichkeit, aber auch durch eine gewisseBreite und Weitschweifigkeit auszeichnen. In dieser von denSaburäern redigirteu Gestalt erhielten die zeitgenösischen Gemeindenund die Nachwelt den Talmud. Nach ihnen hat der Talmud !
schwerlich neue Zusätze erhalten. >
In der saburäischen Zeit sind die Anfänge einer Wissenschaft !
eingeführt worden, ohne welche die heilige Schrift ein versiegeltes Buchgeblieben wäre, und welche die Einseitigkeit des Talmuds allmählichüberwinden half. Die heiligen Bücher mit ihrer duftenden Poesieund ihren erhabenen Lehren waren unleserlich, weil ihnen einescheinbare Kleinigkeit mangelte — Vokale. Der Text bestandlediglich aus Cousonauteu, die ohne das belebende Element der
Vokale todt waren, so oder anders gelesen werden konnten und jenachdem einen verschiedenen Sinn gaben. Nur die Gesetzeslehrer
und ihre Jünger konnten sie allenfalls aus Uebung lesen, aber sie
Vergl. Note 2.