4 Geschichte der Juden.
Land räumen, und Cavad setzte einen anderen arabischen Häuptlingan seine Stelle ein.
Die Juden und Christen blieben natürlich von der Plage deskommunistischen Schwindels nicht verschont, und wenn unter dem ge-setzlich gewordenen Raube der Zendik nur Begüterte litten, so mußtedie Gemeinschaft der Weiber Alle aufs empfindlichste treffen. Keusch-heit und Heiligkeit der Ehe waren unter den Inden stets heimischeTugenden, welche durch die talmudische Lehre noch tiefer in die Ge-müther eingewurzelt waren. Sie konnten ihre Frauen und Jung-frauen nicht jeden Augenblick der Schändung ausgesetzt, die Familieu-reinheit, welche sie wie ihren Augapfel wahrten, besudelt sehen. Siescheinen daher den frechen Angriffen der Zendik auf die Keuschheitbewaffneten Widerstand entgegengesetzt zu haben. Ein Aufstand, deneine Quelle in diese Zeit versetzt, ist aller Wahrscheinlichkeit nach zurAbwehr des unerträglichen Kommunismus organisirt worden. Ander Spitze dieses Aufstandes stand der jugendliche Exilarch Mar-Sutr a II., der eine nicht gewöhnliche Erscheinung gewesen sein muß,da die Sage seine Geburt und seine Thaten mit wunderbaren Zügenausgeschmückt hat.
Mar-Sutra (geb. um 496) war der Sohn jenes gelehrtenExilsfürsten Huna, der nach dem Tode des Tyrannen Peröz mit derExilarchenwürde bekleidet worden war (488 —508^). Er war beimTode seines Vaters noch in zartem Knabenalter. Die Sage erzähltaber seine Geburtsgeschichte mit folgenden Zügen: Der Exilarch Huna,von hochmüthigem Charakter, sei in Streit mit seinem SchwiegervaterMar-Chanina gerathen und habe denselben, obwohl er zu den an-erkannten Gelehrten gehörte, aufs empfindlichste bestraft. Er habeihn verurtheilt, eine ganze Nacht im Freien vor dem Stadtthore zu-zubringen und habe verboten, ihm gastfreundliche Aufnahme zu gewähren.Mar-Chanina habe wegen der erlittenen Demüthigung einen Stromvon Thränen vergossen, und in Folge dessen habe ein rascher Todalle Glieder des Exilarchenhauses plötzlich hingerafft. Im Traumesei es aber Mar-Chanina vorgekommen, als habe er sämmtliche Bäumeeines Cedernwaldes umgehauen, von dem nur noch ein niedriges Reisübrig geblieben, und als er auch an dieses das Beil anlegen wollte,sei ihm der König David — dessen Nachkommen zu sein sich dieExilarchen rühmten — erschienen und habe ihm drohend Halt geboten.Beim Erwachen habe Mar-Chanina erfahren, daß kein einziges Glieddes Exilarchenhauses mehr am Leben sei, und die Zukunft des er-
Siehe Note I.