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Geschichte der Juden.
dem einen Todeskampf mit der siegreichen Kirche zu bestehen, welcheihnen als Religionsgenossen jeden Fuß breiten Raum streitig machte,jede Lebensbewegung verleidete und sie öfters gewaltsam in ihrenSchoß oder in den Tod trieb. Nur in Nord-Arabien behauptetenjüdische Stämme eine gewisse Unabhängigkeit und in Süd-Arabienerlangten sie eine äußerliche Machtstellung und bildeten sogar eineignes Reich. Allein es fehlte diesem jüdischen Staate und den freienjüdischen Stämmen die Lebensbedingung eines geistigen Prinzips, vondem sie getragen und zusammengehalten werden könnten. Darumwurde dieses himjaritische Königreich auch durch einen starken geschicht-lichen Windstoß in Trümmer geworfen und jene Stämme in Abhängig-keit und Unterthänigkeit gebracht und zuletzt in Atome aufgelöst.
Auch in der innern Entwickelung war das Judenthum im sechstenJahrhundert an die Grenze des Stillstandes gelangt, welche das Auf-hören des geistigen Pulsschlages und den Tod herbeizuführen Pflegt.Der Ausbau des Talmuds, die dialektische Erörterung der Gesetzein ihrem Umfange und ihrer Begründung, wenn auch in starrer Ein-seitigkeit gehalten, hatten dem Judenthum Regsamkeit und Frischeverliehen, den strebsamen Geistern einen weiten Spielraum zur Ent-faltung ihrer Kräfte geöffnet und ihnen Gelegenheit gegeben, den DrangNeues zu schaffen, zu befriedigen. Es hatte etwas Verlockendes, diesenhoch aufgeschichteten Stoff allseitig zu durchdringen und ihn schöpferischzu beherrschen. Dieser Reiz schien nach Abschluß des Talmuds, nachRabina und seinen Mitarbeitern, abgestumpft. Alles war besprochen,durchdacht, geordnet, keine einzige Frage von Wichtigkeit schien un-erledigt und ungelöst; höchstens war noch für untergeordnete GeisterRaum zu geistloser Thätigkeit, die Normen für das religiöse Lebenzu bestimmen oder eine Auswahl aus dem Gegebenen zu treffen. Auchdie Quellen, woraus die erregte Phantasie Begeisterung schöpfen konnte,waren versiegt. Die Einseitigkeit der talmudischeu Richtung hatte daslebendige Wasser der biblischen Poesie uuschmackhaft finden lassen, unddie agadische Auslegung des Schriftwortes war in Spielerei und Un-angemessenheit ausgeartet. Welche unverwüstliche Gotteskraft muß imJudenthum liegen, daß es ungeachtet so vieler Widerwärtigkeiten sichabermals aus dieser neuen Verdüsterung zum Lichte zu ringen, ver-mochte!
Beginnen wir die Rundschau über die Lage der Juden mitBabylonien (Persien), das noch immer Hauptschauplatz der jüdischenGeschichte und gesetzgebende Autorität für die nahen und fernen Ge-meinden war. Kaum hatten sich die Juden von der langen undgrausigen Verfolgung, welche der König Peroz über sie verhängt hatte,