Dritte Epoche der ersten Periode:
Die saduraische Zeit.
Erstes Kapitel.
Babylonien und Judäa.
Rundschau; die Zendik; der König Kavad und der Reformator Mazdak; derExilarch Mar-Sutra II., Mar-Chanina; Ausstand der babylonischen Juden;Hinrichtung Mar-Sutra's und Chanina's; Verfolgung und Auswanderung;die Saburäer R. Giza von Sura und R. Simuna von Pumbadita. NeueVerfolgung unter Hormisdas IV.; Anhänglichkeit der Juden an den Thron-räuber Bahrain; Wiedereröffnung der Lehrhäuser; die Schulhäupter undExilarchen. Gedrückte Lage der Juden unter den byzantinischen Kaisern.Ihr Aufenthaltsort in Judäa; Jüdische Wagenlenker und Wettfahrer inPalästina; Geringe Lehrtätigkeit in Judäa; Kaiser Justinian und seinejudenfeindlichen Verfügungen; sein Edikt gegen die agadische Auslegungs-weise; die jüdisch-afrikanische Gemeinde zu Barion; Erbitterung der Judengegen die byzantinische Tyrannei; ihre Betheiligung am Perserkriege gegenPalästina; Benjamin von Liberias; kriegerische Streifzüge der JudenPalästina's; der Mönch von Sinai; Anschluß der Juden an Heraklius;Wortbruch dieses Kaisers gegen dieselben; Verfolgung und neue Verbannungaus Jerusalem.
500 — 630.
Im Anfang des sechsten Jahrhunderts schien das Judenthnmnach menschlicher Berechnung der Verkümmerung und Auflösung un-rettbar verfallen. Hätte damals ein scharfsichtiger Beobachter eineRundschau über die inneren und äußeren Zustände der Juden in den-jenigen Ländern anznstellen vermocht, wo die Zerstreuung sie in großenMassen znsammengehäuft hatte; so hätte er das Judenthum als religiös-nationales Institut in den letzten Zügen liegend gefunden und ihmkeine lange Lebensdauer prophezeien können. Die einheitliche Organi-sation, welche es durch die Thätigkeit von mehr als vier Jahrhundertenseit seinem Uebergang aus der Staatsverfassung erhalten hatte, waraufs ernstlichste gefährdet. Das Christenthum hatte es in seiner Ur-heimath Judäa durch Verfolgung der Gesetzeslchrer und Aufhebungdes Patriarchats (B. IVg. S. 36 l) niedergeworfen und zur Ohnmachtgeknickt; jetzt bedrohte das Magierthum es auch in seiner zweitenHeimath Babylonien. In den europäischen Ländern waren die Judenin dieser Zeit noch nicht zum Bewußtsein erwacht und hatten außer-
Graetz, Geschichte der Juden. V. 1