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4 (1893) Geschichte der Juden vom Untergang des jüdischen Staates bis zum Abschluß des Talmud
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Geschichte der Juden.

Das zweite Moment, welches den sonst gründlichen Untersuchungen nn Ollalnr;den Werth benimmt, ist die leidenschaftliche Antipathie gegen die meistenhistorischen Persönlichkeiten in den Talmudcn; alle ihre Handlungen undAeußerungen werden gar zu sehr bekrittelt, mißdeutet und durch unter-geschobene suggestirte Tendenzen ohne Berechtigung gewissermaßen criminalistischbehandelt; der kleinliche Matzstab polnischer Winkelrabbiner mit engem Gesichts-kreise wird aus die Träger des Talmud ohne Weiteres angewendet, sie, diedoch auf einer weiten Weltbühne standen, und die nicht bloß religiöse, odersagen wir rituale, sondern auch politische Fragen ins Auge fassen mußten.Diese antipatische Mißhandlung im Ollalnr haben besonders die Patriarchenaus dem Hause Rabbi's, d. h, des R. Juda Ha-Naßi in einer mit der histo-rischen Unparteilichkeit unverträglichen Weise erfahren. Ich halte es daher fürmeine Aufgabe, die ihnen widerfahrenen Verdächtigungen zu widerlegen, alsauch die von der falschen Beurtheilung beherrschte Chronologie ins rechteGleis zu bringen.

Die ersten S Glieder des Hillel'schen Hauses bedürfen oder vertragen keineErläuterung; das chronologische Material dafür ist nur sehr dürftig. I) Hillel,der ältere oder der Babylonier, 30 vor bis 10 nach der christl. Zeitr., d. h.von der Schlacht bei Actium an gerechnet; 2) Simon I., circa 1030;3) Gamaliel I., der ältere (;pm), c. 3050; 4 Simon II., oder Simonb. Gamaliel I., zur Zeit der Tempelzerstöruug gewißermassen Präsident derjüdischen Republik, c. 5070; 5) Gamaliel II. di Jabue c. 80.117, d. h.nach N. Jochanan b. Sakka'i und vor dem Ausbruch des Uolswos sollst

(jnitos. Es hat zwar den Anschein, als wenn R. Elieser b. Hyrkanos nochdie hadrianische Verfolgung erlebt hat (Lallllab 138. a,.): 'i im.-r ,-nm' ",- 0^2 ('b:n) ".no- 12 .NN mp'bn. (lieber oben

Note 17). Dann könnte R. Gamaliel noch Hadrians Zeit erlebt haben; alleindie sonstigen Nachrichten sprechen dagegen, und 'i ist wohl nur

ein Einschiebsel. 6) Simon III. oder Simon b. Gamaliel II. Seine Lebens-zeit läßt sich annähernd fixiren. Beim Falle Betars war er noch jung (o.

S. 434), und ist wohl erst mehrere Jahre nach dem Tode Hadrians oder nachder Rückkehr der Gesetzeslehrer aus dem Exil in seine Würde eingesetzt worden,also etwa 140. Denn für sein Todesjahr und also für den Beginn des Pa-triarchats seines Sohnes ist nur eine vage Notiz erhalten (o. S. 430); indessendürfte doch sein Tod zwischen 101170 anzusetzen sein, da er über Leidenklagte. 7) R. Juda I., mit dem Beiname» nmon -.«r auch oarpn,

genauer oder -rrr. S-in Geburtsjahr hat man nach einer Notiz (6snssisIlalllla. o. 58 und Parallelst.), gleichzeitig mit dem Todesjahr R. Akiba's, alsoetwa mit dem Falle Betar's 135, gesetzt. Mit Recht hat aber A. Krochmaldieses chronologische Moment erschüttert (Ollalnr; II. p. 01. M. 5), da ander-weitige talmudische Notizen angeben, sein Vater Simon b. Gamaliel sei beimFalle Betars noch jung gewesen. Wir müssen demnach zum Rückschlüsse vonseinem Todesjahre Zuflucht nehmen, welches nach 210 stattgefunden (o. S. 211).Er mag also um 150 geboren sein und das Patriarchat um 170 angetretenhaben. Wenn meine Annahme richtig ist, daß der Patriarch R. Juda II. mitAlexander Severus verkehrt hat und daß dieser der in den Talmuden genannteminrm p oder m-won ist >No. 23), so könnte der Patriarch

mit dem Kaiser nur während des parthischcn Krieges 231233 zusammcn-gekommen sein, während der Letztere sich in Syrien aushielt. Dadurch würdedas Todesjahr Juda's I. näher limitirt werden können, da zwischen demselben