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9 (1907) Geschichte der Juden von der Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal (1494) bis zur dauernden Ansiedlung der Marranen in Holland (1618)
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geradezu als Fabel oder vielmehr als Wechselbalg erklärt, indem das Faktumvon der Gesandtschaft des äthiopischen Königs David aus dem Lande desPriesters Johannes 1533 von jüdischen Fabulanten auf einen jüdischen PrinzenDavid umgedeutet worden wäre. Der gelehrte von der Hardt hat zwar inseiner Schrift cts abrwu ?sa1mi 119 beide den Juden gelassen, hat aber ihreBiographien nach den ihm zugänglichen Sekundärquellen so entstellt, daß ihrewahren Züge daraus gar nicht zu erkennen sind. Jost hat ihnen in seinerumfangreichen Geschichte nur einige Zeilen gewidmet; er konnte in der Tatnach den ihm vorliegenden Quellen nichts Besonderes aus ihnen machen.Gegenwärtig kennt man als ganz neue Quellen nicht nur Berichte von jüdischenZeitgenossen über die tiefe Bewegung, die sie erzeugt haben und ein umfang-reiches Tagebuch von David Reubcni, sondern auch vier verschiedene Notizenaus zeitgenössischen christlichen Kreisen. Es stellte sich durch die neuentdccktenQuellen heraus, daß die von beiden ausgcgangene Bewegung nicht eine ver-schwindende Wcllcnkräuselung war, sondern daß sie eine nachhaltige, allerdingsnicht sehr erfreuliche Wirkung hatte. Davids Austreten hat die Einführungder Inquisition in Portugal gegen die Scheinchristeu zuerst retardiert und dannbeschleunigt, und Salomo Molcho hat dazu beigetrageu, daß sie die päpstlicheKurie eine Zeitlang ganz zurückgewieseu und zuletzt nur widerwillig sanktionierthat. Molchos messiauische Schwärmerei hat noch über seinen Tod hinausnachgewirkt. Den Zusammenhang zwischen Molchos Beliebtheit beim PapsteClemens VII. und den Hindernissen, welche eben dieser Papst der Einführungder Inquisition eutgegengestellt hat, habe ich früher schon geahnt und alsVermutung ausgesprochen in einer Monographie: David Reubeni und

Salomo Molcho (in Frankels Monatsschrift 1856). Seitdem hat eine neueurkundliche Quelle diese Vermutung als historisches Faktum vollständigkonstatiert. Durch de» Einblick in die Primärquellcn erscheint die Reubenischeund Molchosche Bewegung in einem ganz anderen Lichte; sie verdient daherwegen ihrer Eigentümlichkeit und ihrer Tragweite eine eingehende kritischeUntersuchung.

Vorausschickcn will ich einen Überblick über die zuverlässigen Hauptquelleu:

I. Chronologisch und pragmatisch ist als erste Quelle anzuführen: DavidReubenis Tagebuch. Es ist ein »och handschriftlicher, sehr interessanterKodex, der zur Michaelschen Sammlung gehörte. Er führt den Titel: opwr'rami.n iw, von der Bodleiana in Oxford angekauft. Eine Kopie ist von derBibliothek des Breslauer Seminars erworben worden, Ms. Nr. 128.

II. Zwei Sendschreiben des Salomo Molcho, die er an seine Verehrer

über seinen Rücktritt zum Judentume und über seine Erlebnisse gerichtet hat.Das Sendschreiben vom Jahre 1531 ist in Joseph Kohens Chronik mitgeteilt,und daraus ist es in die Schrift in? .im (gedruckt Amsterdam, wohl um 1868)übergegangen. Diese Schrift enthält eine wichtige Partie, die merkwürdiger-weise bei Joseph Kohen fehlt, von i'rnb mnn rmp bis mr.-ib mnn .mp,

büMiwr: mp-or. Diese Partie findet sich auch handschriftlich in einem Almanzi-schen Kodex. Sic ist das erste Sendschreiben an Joseph Taytasak in Salonichivon Mo na st i r aus gerichtet. Das nur in Joseph Kohens owm 'ini erhaltenedagegen ist das später erlassene.

III. Das Aufsehen, welches Molcho unter den türkischen Juden gemachthat, bekunden mehrere Äußerungen in einer Schrift, in der man das garnicht sucht, nämlich unter Joseph Karos Visionen mir,« i'i::, wovonweiter unten.