498 Geschichte der Juden,
geschrieben, er wolle die Frage über Konfiskation des Talmuds dem nächstenReichstage vorlegen.
Das Verhalten des Kaisers Maximilian in dieser Affäre verdient nochbeleuchtet zu werden, da es in den Monographien kaum obenhin berührt ist.Es hat sich gezeigt, daß er im Anfänge drei Schwenkungen gemacht hat. Zu-erst versah er Pfefferkorn allein mit Vollmacht, die Schriften der Juden zukonfiszieren; dann ernannte er Uriel zum Kommissarius dafür, dann befahl er,sie ihnen wieder zuzustellen, und zuletzt ließ er Gutachten ausarbeiten, ob eslöblich und göttlich sei, den Juden die Schriften zu nehmen. Im Verlaufezeigte er dieselbe Schwenkung. Als er Nachricht von Pfefferkorns Schmäh-schrift, Handspiegel, gegen Reuchlin erhielt, bezeugte er in Worten und Geberdenfeinen Unwillen darüber (Reuchlin, Osksusio contra oalnmniatores p. 56):In vero (6assar) . . . plane atgns eonspivuo adominaris et vultn etvsrdis tantum sestns st tam nstarinm faeiuns, ntigns tidi lidsllumennäem tamosnm porriZ-srein impsrasti. Nichtsdestoweniger hat er am7. Oktober 1512 den Verkauf von Rcnchlins Augenspiegel verboten, weilJudengünstiges darin enthalten sei, allerdings nur von Pfefferkornbezeugt. Als Reuchlin nicht viel später dem Kaiser seine „Verteidigung gegendie Cölner Verleumder" widmete, schrieb ihm dieser einen beruhigenden Brief,daß er ihm kräftig beistehen werde. So wenigstens referierte der kaiserlicheGeheimschreiber Jakob Spiegel an Reuchlin (Briefs, II, vorletzte Nr. vordein hebräischen Schreiben): 8sä taräiors iä nunc prassto oalamo, vnmsis satis snpsrgns oonsolatns Oassaris litsris, gnas ts planesximnnt a labxrintdüs spiris, in gnos illi supsrbissimi d^pooritas tnioalumniarorss innoclavernnt . . . ästensiunsm tu am, gna ms superäonavsras, änm sam Oassari . . . propriis manidus obtulisti . . . Undzum Schlüsse: vale et msiiors oeio truers, gnoä tibi sam rsääitnm litsrisOaesaris eontläo. Und doch soll der Kaiser gerade diese Verteidigung ineinem Schreiben von Coblenz 9. Juli 1513 verdammt haben, weil Reuchlindarin die Ehre der Cölner und besonders Arnolds von Tongern angegriffen(Pfefferkorn Ost'snsio eontra tanlosas 8. S. 129 ff., auch in Sturmglock):Licnti uos tsmpors sxaeto ispsis luäasis . . . eornm Dalinnä st aliaslidros tollsrs äeersvimns . Itsmgus . onm nunc in dae nrbs aä tempnsgnissosnänm änximns, volsntss tamsn onm tsmpors in doo ns^otioaltsrius traotare, facti nnno snmus esrtiorss, gnamoäo lad. LsuodlinsinKnlaritsr itsrum st uupsr emissrit st iwprimi pudlies feeerit libel-lnm gnsnäam, in gno ipse totam faoultatsm tdeoloZfioam univsrsitatis(lolonisnsis st donsstniv noblsgus elevatum virnm L.rn. äs NonKarignam tnrpissims carpat st infamst . . . gnars manäamns, ut vos taleslibros, gnos lod. Usnodlin in oansis Inäasornm eäiäit in proviueiisvsstris . . . s msäio tollatis et snprimers taoiatis, nsc sos vsuäi autsmi psrmittatis.
Meiners, welcher diese kaiserlichen Mandate gegen Reucblins Schrift zwarnicht aus den Quellen kannte, aber etwas darüber in Majus' vita Usuodlinigelesen hatte, hielt sie für unecht. Er bemerkte (zu Reuchlins LebensbeschreibungSeite 144, Note): „Bei der unveränderlichen Gnade, welche Maximilian stetsdem Reuchlin bewies, ist es gar nicht wahrscheinlich, daß dieser Kaiser dieSchriften Reuchlins gegen die Cölner verboten hätte. Im folgenden werdenmehrere Beispiele Vorkommen, daß Hochstratcn sich auch in öffentlichen und ge-richtlichen Schriften die gröbsten Falsa erlaubt." Indessen, wenn es auch richtig