Note 2.
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4. Das Botum der Erfurter Fakultät, wegen Kriegsunruheu zu späteingetroffen, fiel ebenso aus. — Am vernünftigsten sprach sich die Heidel-berger Universität aus. Der Kaiser möge Gelehrte von allen deutschen Uni-versitäten zusammenberufen, um diese Talmudfrage reiflich zu erwägen. — DasVotum von Viktor v. Karben ist wegen seiner Weitschweifigkeit von Pfeffer-korn nicht mitgeteilt worden. Es stimmte gewiß in allen Punkten mit demder Cölner überein, da er unter deren Zuchtrute stand.
Der weitere Verlauf, besonders das Schicksal, das Renchlins Votum er-fahren, bis es in des Kaisers Hand gelangte, ist bisher auch nicht qnellengemäßdargestellt worden. Pfefferkorn berichtet darüber (Ost'snsio contra t'ainosasbei Bücking, S. 101), als wenn weder er, noch sonst jemand dabei eine In-diskretion begangen, sondern als wenn der Erzbischof Uriel die Schrift alseinen unbedeutenden Wisch behandelt hätte. Dieser habe über dieses jnden-,oder richtiger talmudfreundliche Gutachten scherzweise geäußert: guock babnsrit(ksncüi.) Incka'lenin ueqnam post aurss suas ssäsntein. Er habe ihm,Pfefferkorn, erlaubt, cs sich ans der Kanzlei zu nehmen, wo die Schreiber-burschen damit gespielt hätten: Ivi tnngns all oauoeiiariain st, invsni eon-suitationsin ipsius in svarnnis jacsntsin, gnam seribarnm pnsri saspinsIsKerant pro rickionlo üabsntss. Uriel habe ihm dieses und die übrigenVota mit einem Begleitschreiben an den Kaiser übergeben, worin er dem Urteileder Cölner und Mainzer seine Zustimmung gegeben. Das Schreiben Urielswird das. S. 103 ff. mitgeteilt, aber es ist wegen des Datums: ckls Uartispost Isstuin Liinonis st Inckas 1510 d. h. 29. Oktober, verdächtig, weildie meisten Vota damals noch nicht vollendet waren. Pfefferkorns Bestrebenging sichtlich dahin, den Erzbischof Uriel als Gesinnungsgenossen der Cölnerdarznstellen. Uriel war nämlich zur Zeit der Abfassung der Ost'snsio contra,tainosas nicht mehr am Leben; darum konnte ihm alles mögliche untergeschobenwerden. — Was von der Nachricht zu halten ist, der Kaiser habe sämtlicheVota einer Dreimännerkommissiou übergeben, seinem Beichtvater, dem Kar-täuser Georg, und dem Rechtslehrer Hieronymus Baldung, und diesehätten die Vota der Cölner und Mainzer gntgeheißen (das. S. 104 sf.), weißich nicht. Von Baldung ist die Nachricht wahrscheinlich erlogen. Denn dieserinteressierte sich später sehr für Renchlin, gehörte also zum Humanistenkreise.Einer von Renchlins Freunden schrieb ihm, kaum drei Jahre nach diesemFaktum: lujnnxit stiain midi Or. Hisronxmns Laicknu^ oinnsinopera-m snain nomins sno tibi in üao rs poiiiosri (vom 22. Mai 1513,Briefs. II, Nr. 96). In einem Punkte hat Pf. gewiß die Wahrheit verdreht.Er legt dem Kaiser eine ehrenrührige Äußerung über Renchlin in den Mund,als habe dieser sich zur Abgabe seines Votums von den Juden bestechen lassen.Usueülinnin snos articnios all gnenclam nobilein (Llissivs) <ls Inckasissoripsisss atramsuto nig-ro, illa ant.ein gnas nunc pro Inckasis consnl-tavsrit, seripsisss atramsntv rnbso. Das soll der Kaiser gesagt haben,während Pf. selbst an einer andern Stelle diese Äußerung dem Kartäuser-Georg zuschreibt (mitleidige Clag I?. b): „Du (Reuchlin) hast den Rathschlagmit rother Farbe oder Tynten geschrieben." Diese Wendung scheint auch richtig.Denn nicht umsonst gebrauchte Renchlin im Augenspiegel in seiner Entrüstungüber die Verdächtigung der Bestechlichkeit den Ausdruck: „Wer das von ihmbehaupte, der lüge, und wäre er auch fromm wie ein Kartäuser." —Auch das ist zweifelhaft, was Pf. weiter (in Ost'snsio contra t'ainosas, S. 108)behauptet, der Kaiser habe dem Erzbischof Uriel von Freibnrg am 13. Jan. 1511Graetz, Geschichte der Juden. IX. 32