496
Geschichte der Juden.
ihn verfolgen. Sie stellt ihm ein glänzendes Zeugnis der Rechtgläubigkeitund des christlichen Eifers aus.
2. Das Votum des Ketzermeisters Hochstraten vom 9. Oktbr. 151V.Es ist das Echo oder richtiger der Grundton des Gutachtens der Fakultät, weilvon älterem Datum. Im Schreiben an Uriel beruft er sich auf das Urteilder Fakultät. Im Schreiben an den Kaiser dagegen führt er manches weiteraus, was jenes nur angedentet hatte, namentlich den Punkt, eine Art Jnqui-sitionsgericht gegen die Juden zu statuieren: Vorst xrastsrea im-perial! oslsitnäini opns cliKuissimnm, si in praekata lidrornm examina-tions per sos, qni juäa'ica intsllig'unt scripta, sxtraliersntnr iuibi cou-tenti articnli srronsi, iinpii et blaspbsmi courra propriam leZ-eiu, etinstituerstnr contra .Inäaeos soleiunis inqnisitio, et snxerarticnlis extractis inatnre sxaininarsntnr. Vt quickem si tnnc articnlosillos recoAnoscant erroneos, etiain st tnnc consequeuter tatsri, liadsutlibros tales eis esse psriculosos st msrito coinbnrsuäos. 8i antein arti-cnlos talss ästeuäsriut st obstinat! in eis persevsravsrint, et tnnc potentLass, Lias. quam nnics super ss corain Uilato stantss rsKiaw liaberexotestarsm protsssl sunt, tauguain lllaersticos sacrileZos in ckiviva etpropria eornm IkAS cum äi^na anirnaävsrsions punirs. Zum Schlüssewiederholt auch Hochstraten, was Pfefferkorn bis zur Ermüdung repetiert hatte,ein Rückgängigmachen der Talmudangelegenheit würde dem Christentnme außer-ordentlich schaden.
3. Die Mainzer theologische Fakultät vom 31. Oktober 1510 führteine eigene Logik. Es sei zwar dem weltlichen Fürsten (tsrrsno xriucipi)kanonisch untersagt, die Juden zur Taufe zu zwingen; allein das gelte nur vomgewaltsamen Zwange, es sei ihm aber wohl gestattet, alle Mittel zu gebrauchen,um sie dahin zu bringen und namentlich Hindernisse zu beseitigen. Das größteHindernis zur Bekehrung der Juden sei nun eben das talmndische Schrifttum(ub lrackuut plnrss ex clocboribus nosbris cabliolicis, qui ntrinsgne liuAnaebam bebraeas quam latiuas peritiam babusruut), iveil sic nicht bloß vieleJrrtümer lehrten und den Sinn der heiligen Schrist verdrehten, sondern sogarmit den alten talmudischen Schriften, welche vor Christi Geburt geschrieben —etiain contra autiquissimos eoruin Mialmuckicos et scripta, — im Wider-spruch stünden. Daher sei zu raten, ihnen solche Schriften zu nehmen. Essei aber vorauszusehen, daß auch die übrigen Schriften der Juden, auch dieOriginaltexte der Bibel von den Juden ketzerisch verderbt worden seien (Llsteruuiquia tinistnr, qnock non solnin praetracti libri, seck etiain sornni tsxtusoriginales siut in csrtis xassibus et piaeclpns ubi inaxims t'acinuttestiwoninin pro ticke nostra cbristiana, coiiuipti st clexravati). Dahersollten den Juden sämtliche Schriften, auch die Bibel abgenommen undden Diözesanbischöfen und dem Inquisitor übergeben werden. Diese solltendieselben untersuchen, und, wenn laut Angabe ketzerisch befunden, dann müssemit ihnen, wie mit ketzerischen Schriften verfahren werden. Auch an den Per-sonen, welche solche Schriften besäßen, solle Strafe geübt werden. Es wäreüberhaupt recht, wenn von je zehn zu zehn Jahren die jüdischen Schrifteninquisitorisch untersucht würden. Den Kaiser rühmt die Mainzer Fakultät, daßer ein so gottgefälliges Werk unternommen, und ermahnt ihn, darin fortzu-fahren, um dadurch den Übertritt der Juden zu fördern. Auch sie empfiehltdem Kaiser Pfefferkorn; er möge ihn, den musterhaft eifrigen Christen, unterseine schützenden Flügel nehmen.