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gestellt zur Zeit des Regensburger Reichstags. Es ist recht gut denkbar, das;der Kaiser seiner Schwester einen Besuch in München abgestattet hat. Hierfügt sich Reuchlins Nachricht (im hebräischen Brief) gut ein, daß die Schwester-Äbtissin einen Fuszfall vor dem Kaiser getan und weinend verlangt habe, derKaiser solle die Vernichtung der Judenschriften dekretieren. Das ist es wohl,was Pf. schreibt, daß er erst mit großer Muhe das Mandat vom Kaiserdurchgesetzt habe. Es ist anch, mit dem ersten und zweiten verglichen, viel mildergehalten: Es soll erst ein Urteil abgegeben werden: „ob solche Bücher —die jüdisch-talmudisch-rabbinischen außer den biblischen — zu vernichten göttlich,löblich und dem Christentum nützlich sei und znr Mehrung und Gut kommenmag." Der Kaiser wollte also andere Stimmen als die Pseffcrkornsche darübervernehmen, während er im ersten Mandat ihm allein vollen Glauben geschenktund ohne weiteres daraufhin deren Vernichtung befohlen hatte.
Was darauf weiter erfolgte, Renchlins Gutachten, die jedenfalls perfideÖffnung und noch perfidere Veröffentlichung desselben von seiten Pf.s und derDominikaner, Pf.s Handspiegel und Reuchlings Augenspiegel, ist bekannt.Weil Reuchlins Gutachten so viel Aufsehen gemacht hat, sind die übrigen vonden vier Universitäten, von Hochstratcn und von Viktor v. Karben ansgestelltenGutachten wenig oder gar nicht beachtet worden. Sie sind aber sehr wichtig,weil sich erst daraus ergibt, welchen Dienst Ncnchlin durch sein gerechtes Urteilden Juden nicht nur, sondern auch der Zivilisation geleistet hat. Die CölnerDunkelmänner hatten nichts weniger im Plan, als den hebräischen Text derBibel ganz und gar zu unterdrücken und nur die Vulgata bestehen zu lassen.Diese Gutachten der übrigen Votanten sind abgedruckt in Oseisionss guatuorUuivsrsitatnm (o. S. 479 b) und in Pf. Öetsiwio contra tamosas beiBücking I, S. 94 ff.
1. Das Votum der Cölner theologischen Fakultät vom ll. No-vember 1510 (einen Monat später vollendet als das Reuchlinsche) läßt sich aufBeweise gar nicht ein, sondern schickt voraus: mauile8tum S8t, librum lluckae-ornm — Ddalmnt — tant 08 continsrs nsänm srrors8 et t'al8itats8, verumetiam b1s,8pbemia.8 et liaeresss contra le^em propriam. Darum haben diePäpste Gregorius III. und Jnnoccnz IV. denselben verbrennen lassen (was diegelehrte Fakultät erst aus der dritten und vierten Hand wußte, ans 7dnckrea8Hovekla). Die Juden besitzen noch andere lästerliche Schriften gegen dasChristentum (nt ckieitnr, fügt die Fakultät vorsichtig hinzu), und es wäreirreligiös, ihnen den Gebrauch derselben zu gestatten. Es sei sogar zu ver-muten, daß auch ihre übrigen Schriften (außer Talmud und Polemica) ver-dorben seien. Es wäre daher ein gottgefälliges und sogar vernünftiges Werk,ihnen nur die biblischen Schriften alten Testaments zu lassen, die übrigen da-gegen sämtlich zu nehmen. Ja, man solle Auszüge aus den verdächtigen Büchernmachen und die Inden darüber befragen. Wenn sic dieselben als blasphcmischund ketzerisch anerkennten, so dürften sic nichts dagegen haben, wenn solcheBücher verbrannt würden. Blieben sie aber hartnäckig, sie zu verteidigen,dann habe der Kaiser das Recht, den Stab über die Juden zu brechen: cks liooprinesp8 Iiabet juckicars, 8ivs ckeüeiant in moralibu8, 8ivs contra IsAsm8nam 1iacre8ö8 iuvsniant st okwsrveut. Die Fakultät fügt auch in ihremVotum für llricl hinzu, daß die Juden im Zinsnehmen beschränkt, Handwerkezu betreiben, ein Judenzeichen zu tragen und christliche Predigten anzuhörengezwungen werden sollten — ganz Pfefferkorn. — In dem Schreiben an denKaiser empfiehlt die Cölner Fakultät Pfefferkorn aufs wärmste, weil die Juden
KÄMM- LrÄSBEö.