Tie Inquisition in den Niederlanden. 4ö7
mit ihren Neichtümern, ihrer Gewerbtätigkeit und ihrem Kunstfleißenach den aufblühenden Städten der Niederlande Antwerpen, Brüssel,Gent begeben, um dort ungefährdeter ihrer Religion heimlich lebenzn können. Den Mittelpunkt derselben hatten eine Zeitlang DiogoMendes und seine hochherzige Schwägerin Dona Gracia ge-bildete) Auch diese traf die strenge Gesetzgebung Karls, doch nochmehr die seines Sohnes Philipps II.; sie wiederholten den Befehl,sie nicht zu dulden. Die Magistrate kamen in diesem Punkte demBefehle ihres Herrn pünktlich nach, weil sie fürchteten, die An-wesenheit von Neuchristen könnte für sie die Inquisition herbei-ziehen — ein Übel, das ihnen in ahnungsvoller Seele als eins großeGefahr für sie vorschwebte?)
Der Inquisition konnten die Niederländer doch nicht entgehen.Waren sie doch, obwohl ein Anhängsel von Spanien, von lutheri-schen Ketzern umgeben und hatten solche gar in ihrer Mitte! Siesollte auch bei ihnen eingeführt werden. Das war eine der Haupt-ursachen, welche den Abfall der Niederlande herbeigeführt und jenenlangdauernden Krieg erzeugt hat, der klein in seinen Anfängen undgroß in seinen Erfolgen war, der das gewaltige Spanien ohnmächtigund das winzige Holland zu einer Äacht ersten Ranges er-hoben hat. Die niederländischen Unabhängigkeitskriege zeigten inder Geschichte das erste Beispiel vom Siege zähen Bürgertums überhöhnische Überhebung blutiger Tyrannei. Der zähneknirschende In-grimm des düstern Philipp II., des Henkerfeldherrn Alba, der Blut-feder Varga mit ihren Hunderttausenden von Soldknechten ver-mochten zuletzt nichts gegen den unvertilgbaren Freiheitssinn einesVölkchens. Ter fanatisch grausame Papst Pius V. war mit derMenschenernte, welche Alba und der Blutrat unter den niederländi-schen Ketzern hielt, sehr zufrieden. Aber es schien, als ob ausjedem Kopfe, den ?llba in den Niederlanden abschlagen ließ, hydra-
') S. oben 331 f.
über die Geschichte der Juden in Belgien und Holland: darmolz',üsvus orientale I. p. 42 fg., 168 fg. Xoensn tlssobisdsnis der loden inXsdsrland x. 127 fg. Xinils Onverlsaux „Xotes et Ovenmsuts 8nr Iss lnitsde Lslg'igns" karis 1885, Separatabdruck auslXsvus d. Xt. l., lkoins VII,VIII, IX. Eine Kommission vom Jahre 1653 richtete an den ErzherzogLeopold Wilhelm eine Denkschrift, worin angegeben ist, daß Karl V. undPhilipp II. Befehl erlassen hätten, die Marionen aus den Niederlanden ans-zuweisen. (Bei Ouvsrlsanx p. 32). „?sro ImIIamos qns en ei ano 1550 ^1559 kusron pudiieados en ssts pais dos ediotos sodre In salida de losnmrranos jndios o nnsvos edristianos qns eodados ds XortuZol z? Xspaüalmvian veuido ä ssts pais, mas ssto ss Iiiro sutonees ds antoridad dsl Xsz."Xosueu S. 130 das. bemerkt mit Recht, daß die Furcht vor der Inquisition dieBürger gegen die Marranen eingenommen hat.