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9 (1907) Geschichte der Juden von der Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal (1494) bis zur dauernden Ansiedlung der Marranen in Holland (1618)
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Geschichte der Juden.

Ta nun Italien damals der Hauptmarkt für jüdische Druckwerkewar, so erhielten die auswärts wohnenden Juden nur verstümmelteExemplare, worin die lauten oder stillen Proteste gegen Rom voll-ständig verwischt waren.

Wenn solches unter den Augen halb und halb judenfreundlicherFürsten vorging, was hatten sie erst von systematisch judenfeindlichenzu erwarten! Die Duldung der Juden im Mailändischen, das demfür Scheiterhaufen schwärmenden Philipp II. gehörte, beruhte eigent-lich auf einer Inkonsequenz. In Spanien und im ganzen großenReiche, in welchem damals die Sonne stets am Horizonte stand, demFeuertode überliefert zu werden, wenn ein Jude darin betroffenwurde, und in diesem von Spanien beherrschten Winkel Italiensgeduldet zu werden, war zu unnatürlich. Sobald daher die Auf-merksamkeit des Madrider Hofes auf sie gelenkt wurde, mußte dieseInkonsequenz zu deren Nachteil fallen. Mißhelligkeit zwischen Judenund Christen in Cremona zog die Aufmerksamkeit auf sie. DerMörder eines Juden war aus einer Kirche zum Tode geschleiftworden, allerdings mit Bewilligung des Bischofs. Das reizte denZorn der Bürger von Cremona, und diese, im Verein mit denenvon Pavia, führten Klage am Hofe Philipps II. gegen die Juden.Vergebens sprach sich der Vizekönig zu ihren Gunsten aus, da derenUnentbehrlichkeit sich erst jüngsthin bei einer wütenden Pest bewährthatte. Vergebens war auch die beredte Verwendung eines jüdischenDeputierten, Samuel Coen aus Alessandria, beim König. TieJudenfeinde hatten auch ihrerseits einen Vertreter in der Nähe desKönigs, welcher die Ausweisung der Juden betreiben sollte. BaldÄente der Wucher der Juden, bald ihre Religionsschriften, die trotzdes päpstlichen Verbots bei ihnen gefunden worden seien, zumVorwände, den Zorn des finstern Königs gegen sie zu reizen. EinBeichtvater Philipps II. tat das Seinige, und so wurden die Judenaus dem Mailändischen, aus den Städten Cremona, Pavia, Lodiund andern etwa 1000 Seelen ausgewiesen (Frühjahr 1597) Z;sie mußten um ein Unterkommen in Mantna, Modena, Reggio,Verona und Padua betteln. Bei der Auswanderung wurden sienoch von herzlosen Christen ihrer Habe beraubt, und ihre außen-stehenden Schulden einzutreibeu, kostete ihnen große Anstrengung.Auch über die Juden Ferraras, das von jeher ein zuverlässiges Asylfür sie und sogar für die eingewauderten Marranen war, schwebteeine Zeitlaug das kanonische Schwert. Der herzogliche Stammde Este, dessen Träger an Edelmut und Kunstsinn mit den Mediceernwetteiferte, war ausgestorben. Tie Juden Ferraras hatten sich mit

i) Umsk Im-Uaelm x. 154, 157 fg.