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9 (1907) Geschichte der Juden von der Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal (1494) bis zur dauernden Ansiedlung der Marranen in Holland (1618)
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Tie Juden in Italien.

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.Hülle indem er sich bei dessen Leichenbegängnis vertreten ließ. BieleHofbeamte folgten dein Zuge des aufrichtig betrauerten Wohltäters,aber dessen letzten Willen ehrte der Kaiser nicht. Er hatte bei Er-mangelung eines Leibeserben seine Neffen zu Erben eingesetzt undihnen wahrscheinlich anfgetragen, sein Andenken durch Gründung vonWohltätigkeitsanstalten zu erhalten. Aber der Kaiser ließ dessenganze Hinterlassenschaft, baares Geld und unbewegliches Gut, übereine halbe Million, einziehen, indem der kaiserliche Fiskus die Erbschaftkinderlos verstorbener Juden, als kaiserlicher Kammerknechte, anzutretenberechtigt sei. Die Rabbinen wurden noch dazu gezwungen, unterAndrohung des Bannes, allen Schuldnern Meisels und denen diesonst etwas von ihm in Händen hätten, zur Pflicht zu machen, allesvollständig an die kaiserliche Kammer auszuliefern. Der Prozeßwegen dieser Hinterlassenschaft zog sich 10 Jahre in die Länge.

In dieser Lage, von Katholiken und Lutheranern ohne Unter-schied gerupft und mit Füßen getreten oder ins Elend gejagt, vomKaiser wenig geschützt, aber dafür ausgesogen, steigerte sich die Ver-kommenheit und Gesunkenheit der deutschen Juden noch mehr, wenndas noch möglich war. Sie waren so sehr von Sorgen für denAugenblick erfüllt, daß sie sogar das Talmudstudium, das ihremGeiste sonst Nahrung gegeben, vernachlässigt haben. Außer Liwaben Bezalel, seinem Bruder Chajim ben Bezalel^) und allenfallsihren zwei andern Brüdern, gab es damals in Deutschland keinenTalmndisten von einiger Bedeutung.

Den Juden Italiens erging es in dieser Zeit fast noch schlimmer,und auch sie sanken in Elend und Verkommenheit. Hier war derHanptsitz der verbissenen, schadenfrohen, unerbittlichen, kirchlichenReaktion, die auf nichts sann, als darauf, die Gegner des Katholi-zismus vom Erdboden zu vertilgen. Vom Vatikan aus wurde dieBrandfackel des Bürgerkrieges nach Deutschland, Frankreich, denNiederlanden geschleudert. Da nun die Juden seit Paul IV. undPius V. (o. S. 324 f., 353 f.) auf der Liste der Ketzer oder derFeinde der Kirche standen, so war ihr Los nicht beneidenswert.Mit dem Verlust des letzten Restes ihrer Freiheit verloren sie auchihre Zahl. In Süditalien wohnten keine Juden mehr. In Nord-italien zählten die größten Gemeinden Venedig und Rom etwazwischen 2000 und 1000 Seelen, in Mantua 1844 und im ganzenMailändischen (Cremona, Lodi, Pavia, Alessandria, Casalmaggiorewohnten nur 889). 2)

Auf Pius V., der von Natur finster kirchlich und verfolgungs-süchtig war, und die Juden wie verfluchte Söhne Chams behandelt

') Jünger Schachnas und Genosse Jsserles', starb in Friedberg 1588.

2) Maskir V. x. 75.