Mardochai Meisel.
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solcher Menschennachbildung zu lernen oder sonst kabbalistische Ge-heimnisse von ihm zu erfahren? Ter Rabbiner verschwieg hart-näckig den Gegenstand der Unterredung mit dem Kaiser. Abererfreulicher Art war sie wohl nicht. Denn Liwa verließ mehrereMonate darauf Prag, um das Rabbinat in Posen anzunehmen,das gerade auch nicht glänzend gewesen sein kann, da die Ge-meinde kurz vorher durch einen großen Brand in äußerste Notgeraten war.*)
Ter kleinliche, habgierige Charakter des Kaisers, der sich mitden Sternen und mit Goldmacherkunst beschäftigte und für seinenSchmelztiegel edles Metall gebrauchte, zeigte sich in seinem Verfahrengegen einen edlen Prager Juden, den die Zeitgenossen nicht genugverherrlichen konnten, und dessen Andenken bis auf den heutigenTag durch Denkmäler der Wohltätigkeit geblieben ist.
Marco oder Mardochai Meisel (Meysell, geb. 1528,gest. 1601 ) 2 ) gehörte zu den selten auftauchenden Menschen, welcheden Mammon, die Quelle so vieler Übel und Verbrechen, zu heiligenvermögen und den rechten Gebrauch davon zu machen wissen. InGeschäftsgemeinschaft mit einem Arzte Isaak hatte er so glücklicheErfolge erzielt, daß er, nachdem er mit einem großen Teil seinesVermögens Segen um sich verbreitet hatte, noch über 600000 MarkSilbers hinterlassen haben soll. Meisel war der erste jüdische Kapitalistin Deutschland. Ein solcher Mann, den Wohltätigkeitssinn undEdelmut noch mehr als Reichtümer hoben, hätte es in jedem andernLande zu einer angesehenen Stellung gebracht; in Deutschland sollMeisel höchstens den Titel Rat des Kaisers Rudolph erhalten haben.Für die zerrüttete, verkommene und verarmte Prager Gemeinde warMeisels reiche und weise spendende Hand ein erquickender Tau.Er speiste die Hungrigen, kleidete die Nackten, verheiratete jährlichzwei verwaiste Jungfrauen, baute Armenhäuser und Hospitäler, und,was noch mehr bedeutet, er schoß auch dem Herabgekommeueu zins-freie Gelder zum Geschäftsbetriebe vor. Durch seine unermüdlicheWohltätigkeit steuerte er der schrecklichsten Not, welche in Prag seitder Rückkehr der Juden aus ihrer Verbannung (o. S. 349) geherrschthatte. Sogar den Schmutz des Judenviertels verbannte er durchPflasterung desselben. Es versteht sich von selbst, daß, religiösenSinnes, wie er war, er auch Anstalten zur Förderung des Juden-
st Gans, 2swneb vavül I. z. I. 5352. Die Unterredung Liwas mit demKaiser fand statt 1592 und schon Jjar desselben Jahres verließ er Prag. Überden großen Brand in Posen Juni 1590 s. Perles a. a. O. 30.
Ü Quellen über ihn bei seinem Zeitgenossen Gans das.; die Grabschrift ausihn bei Lieben a. a. O. Nr. 16 und Hook dazu; Fortscger des Lmsk tm-Laeba.I'. Ill tg. Wolf, Aktenstücke, Maslir Jahrg. 1862 p. tO.