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Geschichte der Juden.
stets rauchenden Scheiterhaufen erzogen und ein Todfeind der Pro-testanten, gegen die Juden nicht allzu vorurteilsvoll war. Wenner auch vermöge seiner Schwäche und Haltlosigkeit nicht imstandewar, Verfolgungen gegen sie Einhalt zu tun, so beförderte er siedoch wenigstens nicht. Rudolph richtete doch wenigstens einen Erlaßan einen Bischof (von Würzburg), die Juden in ihren Privilegiennicht zu kränken, und an einen andern (von Passau), sie nicht ver-mittelst der Folter zu peinigend) Damit er aber ja nicht vonseinen Zeitgenossen oder der Nachwelt als Judengönner verschrieenwerde, erließ er zur Abwechslung einen Befehl, die Juden inner-halb eines halben Jahres aus den: Erzherzogtum Österreich auszu-weisen?)
Tie Zeitgenossen machten damals viel Wesens von einer Unter-redung, welche der Kaiser mit dem damaligen Rabbiner oder viel-mehr Lehrhausleiter Liwa (Juda) den Bezalel (geb. um 1525,starb 1609 ) 3 ) geführt, ja ihn eigens dazu berufen hat. DieserMann ist unter dem Namen, „der hohe Rabbi Leb" mehrdurch die Sage als durch seine Leistungen bekannt geworden. Seinetälmudischen und rabbinischen Kenntnisse waren nicht so bedeutend,daß er den zeitgenössischen Großen der polnischen Schule an dieSeite zu stellen wäre. Er beschäftigte sich auch mehr mit agadischerals mit halachischer Auslegung und schriftstellerte meistens auf jenemGebiete. Liwa ben Bezalel hatte sich zwar einige mathematischeund oberflächliche philosophische Kenntnisse angeeignet, die er aberzur leidenschaftlichen Bekämpfung der freien Forschung und zurVerketzerung der Denker, namentlich des Asarja der Rossi (o. S. 386)benutzte?) Das Volk glaubte von ihm, er habe aus Ton einenMenschen (Golem) gebildet, ihm durch einer: Zettel, mit Gottes-namen beschrieben, Leben eingehaucht und ihn zu seinem Diensteverwendet. So oft er ihm den kabbalistischen Zettel entzogen, seider Golem wieder in einen Tonkoloß zurückgesunken. Über diewesenhaften Geister in den Seelen und Gemütern der Menschenhatte Liwa keine Macht. Hatte Kaiser Rudolph, der sich selbst aufErforschung der Naturgeheimnisse in müßiger Spielerei verlegt hatte,Liwa ben Bezalel zur Audienz eingeladen, um von ihm Wundertaten
*) Wolf, Aktenstücke in Maskir I. p. 131 vom Jahre 157 7.
°) Wolf a. a. O.
2) Seine Biographie von Hook, in Liebens Grabsteinschriften des PragerFriedhofes S. 2fg.
Seine Schrift i (Prag l 580) ist eine fortlaufende Polemik gegenalle diejenigen, welche auch nur einen leisen Zweifel an der tälmudischen Agadaausgesprochen haben; von p. 38 d an ist die Polemik gegen Asarja int Rofsigerichtet.