Unitarier und Juden.
435
Mönchtum. Der Metropolitan Zosima, der Apostel dieser Sekte,äußerte sich öffentlich: „Wer ist denn dieser Jesus Christus? Ersollte doch zum zweiten Male erscheinen? Wo bleibt die Auf-erstehung der Toten?" Nachdem die Scharajiten Gunst und Un-gunst bei den russischen Großfürsten gesunden hatten und zuletztdurch den Verfolgungseifer eines Bischofs Genadji und andererorthodoxer Geistlichen in Nowgorod verbrannt worden waren, tratein zu dieser Sekte Bekehrter, Theodosius Kosoj ausMoskau, mit Feuereifer für die Verbreitung derselben auf — ersoll gar eine Jüdin geheiratet haben — und gewann Anhänger inWeißrußland, in Witebsk und Moskau, selbst unter den Mönchen.Kosoj und sein Anhang erkannten nur das Fünfbuch Moses alsheilige Schrift an und verwarfen demzufolge die Dreieinigkeit undVieles aus dem Ritus der griechischen Kirche. Sie wurden natürlichverfolgt und mußten ihr ketzerisches Bekenntnis verheimlichen. KosojsAnhänger, durch die Verfolgung zersprengt, zerfielen in Untersekten,von denen sich dieMolokani („Milchzehrer") bis, auf den heutigenTag erhalten haben. Sie feierten den Sabbat statt des Sonntags,und deshalb bezeichnte sie der Volksmund als „ Subotniks "(Sabbatfeirer); sie haben auch sonst Manches vom Judentum bei-behalten und gelten daher in Rußland für judaisierende Christen.*)Unter den Unitariern oder den Gegnern der Dreieinigkeitwurden diejenigen, welche sich halb und halb dem Judentumsnäherten und namentlich die Anrufung und Verehrung Jesu alseine göttliche Person verwarfen, von ihren verschiedenen Gegnernals Halbjuden (Lsmi-saclaiLantss) verlästert. Zu den kon-sequentesten Unitariern in Polen gehörte Simon Budny ausMasovien, Pastor des Calvinschen Bekenntnisses in Klezk (gest. nach1584), der eine eigene Sekte, die Budnier, stiftete. Er wargelehrter als die übrigen Sektenhäupter, verstand Griechisch undwar auch des Hebräischen ein wenig kundig, das er wohl von Judenerlernt hatte. Simon Budny hat sich durch seine einfache Über-setzung des alten und neuen Testamentes ins Polnische (Zaslaw1572) berühmt gemacht. Seinen Umgang mit Juden bekundete erauch durch seine Hochachtung vor dem sonst von aller Welt ge-schmähten Talmud^). Eine eigene Stellung zu diesem wucherndenSektenwesen nahm Martin Seidel ein, der zwar ein Schlesier(aus Ohlau) war, aber sich an den Grenzen Polens, wo mehrGedanken- und Schwärmereifreiheit herrschte, aufhielt. Seidel ver-warf Jesus ganz und gar und wollte ihn nicht einmal als Messias
*) Bei Sternberg 116f. aus Rudnjews Abhandlung über die russischen Sekten.
2 ) Budnys Urteil über den Talmud bei Uolatio: ampi p p. 32a:
INN I2LNM IMS M2V2 U'NIN IIL'O IN-