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9 (1907) Geschichte der Juden von der Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal (1494) bis zur dauernden Ansiedlung der Marranen in Holland (1618)
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Geschichte der Juden.

Aragoniers Serd et, derüber die Jrrtümer der Dreieinigkeit"geschrieben hatte, schien einen neuen Keim kirchlicher Spaltungbefruchtet zu haben. Eine Reihe seiner Jünger, So ein,Blandrata, Paruta, Italiener von kühnen Gedanken, diean dem Grundgebäude des Christentums rüttelten, in katholischemund reformatorischem Lager geächtet, trat über die polnische Grenzeund durfte dort nicht nur frei leben, sondern auch frei sprechen.Die Hauptangriffe der Socinianer und Pinczowianer(wie diese in Polen wuchernde Sekte genannt wurde) war gegendie Dreieinigkeit als eine Art Vielgötterei gerichtet, freilich ohnefolgerichtige Gedankenschärfe. Davon erhielten sie den NamenUnitarier oder. Antitrinitarie r?) Einer dieser Sekte,Georg Paul, ein Pole, eine Zeitlang Prediger in Krakau,erkannte und bezeichnte richtig die Halbheit der lutherschen Refor-mation.Mit Luther fing Gott an, die Kirche des Antichrist vomDache abzutragen, nicht vom Grund aus, damit das morsche Gebäudeihn nicht verschütte." Es entstand infolgedessen in Polen ein Ge-wimmel von Sekten, welche auf synodalen Versammlungen zu-sammenkamen, um sich zu einigen, aber stets noch weiter getrenntund zerklüftet auseinander gingen.

Tie Schwärmerei, welche damals in Polen überhand nahm,macht es glaublich, daß manche Christen, von der Bibel geleitet, inder Verwerfung der katholischen Satzungen über das Christentumselbst hinausgingen und sich dem Judentum näherten. Die Tochterdes Fürsten Nikolaus Radziwill empfand große Vorliebefür die Lehre Moses. Die Witwe, eines Krakauer Ratsherrn,KatharinaZelazewska, bekehrte sich geradezu zum Juden-tum, wurde selbstverständlich in Krakau verbrannt, ging aber in denTod mit froher Seele, wie zu einer Hochzeit. Die Verbindungder reformatorischen Bewegung in Polen mit der Sektiererei derScharajiten in Nowgorod erzeugte in Rußland eine halb-jüdische Sekte, die Subotniks. Die Anhänger des Scharja(S. 414) waren ebenfalls Unitarier,, leugneten Jesu Gottheit undverwarfen die Verehrung des Kreuzes, der Heiligenbilder und das

*) Die Geschichtsliteratur über die polnischen Trinitarier ist sehr reich. Dieerste Quelle: 8 au 4, Libliotbsea ^.utitriuitariorum ist vielfach ergänzt undbereichert: Unbisusk, liistoris, retormationis; Look, Instoria ^.utitriui-bariorum, Mosheim, Kirchengeschichte des sechzehnten Jahrhunderts, ValerianKrasinski, Geschichte der Reformation in Polen 1848, auch bei Lulaszewicz,Geschichte der reformierten Kirche in Lithauen 1848, Marhei necke, theologischeVorlesungen 1848 B- III, Fischer, Geschichte der Reformation in Polen 1855.Die letzte Sekundärquelle enthält viele wichtige Urkunden, ist aber polemischund verworren.