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9 (1907) Geschichte der Juden von der Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal (1494) bis zur dauernden Ansiedlung der Marranen in Holland (1618)
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Reformation in Polein

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Reformation dahin verpflanzt, und der polnische Adel, nachahmuugs-süchtig und ohne eigene Überzeugung, betrachtete es als eine gebietendeModesache, der gegenpäpstlichen Neuerung zu huldigen. Diesernahm die Reformation an, die Kleinbürger und Bauern dagegen,d. h. die Leibeigenen, waren zu stumpf, um für oder gegen denPapst und die Messe Partei zu nehmen. Das Christentum warin Polen und Litauen überhaupt noch zu jung, um feste Wurzeln zuhaben. So drang die Reformation, weil sie wenig Widerstandfand, in Adel- und Bürgerkreise schnell und sich fast überstürzendein. Im allgemeinen war die Genfer Lehre Calvins von den:polnischen Adel, das Luthertum von den deutschen Bürgern bevvr-zugt. Neben diesen zwei Bekenntnissen, die auf PolnischemBoden einander ebenso feindlich gegenüber standen, wie in West-europa, gab es noch Hussiten aus der Bewegung der voran-gegangenen Jahrhunderte, erbärmliche Zeichen eines vor seineneigenen Konsequenzen zurückschreckeuden Denkens. Mit diesen lieb-äugelten beide Bekenntnisse, um ihre Zahl zu vergrößern. DieKönige Sigismund I. und Sigismund August hatten diese Bewegunggewähren lassen, ja von den Radziwills in Litauen, die seinemThrone nahe standen, beherrscht, war der letztere nahe daran, demPapsttum untreu zu werden. Sv wurde Polen in weitester Aus-dehnung ein Freistaat und ein Tummelplatz für die von demAugustinermönch zu Wittenberg ausgegangene neue Lehre. Aufeinem Reichstage zu Warschau (1566) wurde ein Gesetz angenommen,daß es jedem Edelmann frei stünde, in seinem Bereich den vonihm gewählten Gottesdienst einzuführeu, nur müsse sein Bekenntnisauf der Grundlage der heiligen Schrift beruhen. Wie verachtet derVertreter des Katholizismus in Polen war, zeigte sich darin, daß,als der Nuntius Lipomano in diesem Reichstage erschienen war, ervon den Landboteu mit den WortenWillkommen, duViperbrut" empfangen wurde.*) Selbst die in Italien, derSchweiz oder Deutschland von katholischer oder reformatorischer Seiteverfolgten Denker oder Schwärmer, welche die religiöse Bewegungweiter treiben wollten, fanden unter dem Schutz der auf ihremGebiete selbständigen polnischen Adligen zuvorkommende Aufnahmeund Schutz.

So konnte sich in Polen eine Sekte bilden, welche folgerichtigfortgesetzt, dem Christentum überhaupt vernichtende Stöße, die an-fangs nur dem Katholizismus zugedacht waren, hätte beibringenkönnen. Die Asche des auf dem Scheiterhaufen zu Genf verbrannten

*) Bei Sternberg 139: llnnc (Hixpomnuum) guainxriinum »uiwii ter-

rarnm in 6omitio viclersM,, sxtswxlum eompsslarnni: snlvs, protz-sniesvixisrnrnm!

Graetz, Geschichte der Juden. IX.

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