Druckschrift 
9 (1907) Geschichte der Juden von der Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal (1494) bis zur dauernden Ansiedlung der Marranen in Holland (1618)
Entstehung
Seite
430
Einzelbild herunterladen
 

430

Geschichte der Juden.

Auf dem Reichstage zu Warschau (1592) bestätigte er die fürgünstig geltenden alten Kasimirschen Privilegien der Indens) Diebitteren Schmähungen zweier polnischer Schriftsteller gegen sie,Mvjezki und Miuz' inski beweisen eben deren günstige Lage,da diese dieselbe geschmälert wissen wollten. Es gab noch einsichts-volle Polen, welche Minzynskis Ausfälle mißbilligten und ihn einenRuhestörer nannten; freilich viele andere lobten ihn als Apostel derWahrheit.?) Nur eine gesetzliche Bestimmung führte Sigismund III.zum großen Nachteil der Juden ein, die seinen erzkirchlichen Sinnbekundet. Er verordnet^ daß sie zum Bau neuer Synagogen dieErlaubnis von Geistlichen einholen müßten ?), eine Befugnis, welchedie Religionsübung der Juden von der verfolgungssüchtigen Kircheabhängig machte.

Unter dem Könige Stephan Bathori führte die polnische Juden-heit eine Institution ein (um 1580 ) 4 ), wie sie bisher im Verlaufeder jüdischen Geschichte in dieser Form noch nicht bestand, und sieverlieh den Gemeinden in Polen eine außerordentliche Einigkeit,auch Halt, Stärke und dadurch Ansehen nach innen und außen.Es hatte sich bisher von selbst gemacht, daß bei dem Zusammen-strömen von Rabbinen und Schulhäuptern mit ihrem Anhänge anden polnischen Hauptmeßplätzen wichtige Fragen daselbst verhandelt,Prozesse geschlichtet und gemeinsame Verabredungen getroffenwurden. Die Nützlichkeit solchen Zusammengehens mag sich augen-fällig herausgestellt und die Idee angeregt haben, regelmäßigeZusammenkünfte der Hanptgemeindeführer zu veranstalten, um all-gemeine, bindende Beschlüsse zu fassen. Die Führer und dieGemeinden müssen damals von einem guten Geiste beseelt gewesensein, daß sie auf ein solches Zusammenwirken eingingen. Es emigtensich zunächst die Gemeinden der Hauptländer Kleinpolen,Großpolen und Reußen zu dem Zwecke, regelmäßig wieder-kehrende Synoden (lVaack) zu veranstalten, die an einem Haupt-meßplatze Lublin und Iaroslaw tagen sollten. Die Haupt-gemeinden sandten Deputierte, gelehrte, bewährte Männer, welcheSitz und Stimme in der Synode hatten. Sie wählten einen Vor-sitzenden, der die Verhandlungen über die zur Sprache gebrachtenFragen leitete und ein Sitzungsprotokoll führte. Streitigkeiten inden Gemeinden und zwischen einheimischen und fremden Geschäfts-leuten, Stenerverhältnisse, religiöse und sittliche Anordnungen, Ab-wendung von drohenden Gefahren, gemeinsame Unterstützungleidender Brüder, das waren die Punkte, welche von den Synoden

y Perles a. a. O., S. 12, 130. ") O^aeüi das. p. 95. U Das.

^) Vergl. Note 10.