David Gans.
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Gans (geb. in Westfalen 1541, gest. in Prag 1613^), war alsJüngling nach Krakau gekommen, um die dortige rabbinische Hoch-schule zu besuchen; aber unwillkürlich wurde sein angeborener Sinnfür wissenschaftliche Facher, Geschichte, Geographie, Mathematik undAstronomie von Jsserles, der ihn erzogen und geleitet hat, lebhaftgeweckt. Gans verlegte sich auf diese Studien, machte persönlicheBekanntschaft mit den beiden Größen in Mathematik und Astronomieder damaligen Zeit, mit Kepler und Tycho de Brahe, undarbeitete mehrere Schriften über diese Fächer, natürlich in hebräischerSprache aus. Berühmt ist seine Chronik (Asumolr vavick)?) ge-worden, welche aus Jahrbüchern der jüdischen und der allgemeinenGeschichte besteht. Es war viel, sehr viel für einen deutschen Juden,sich diese außerhalb des Bereiches der Alltäglichkeit liegenden Kennt-nisse angeeignet zu haben. Aber bedeutend kann man David Gaus'Leistungen in der Geschichtsschreibung durchaus nicht nennen. Erführte für jüdische Kreise die nackte, trockene Form der Geschichts-erzählung ein, wie sie früher geistlose Mönche gebraucht hatten,und die damals bereits einer künstlerischen Darstellung gewichenwar. So waren die Juden, wenigstens die deutschen, gegen diegebildete Welt um mehrere Jahrhunderte zurück. Indessen so geringauch Gans' Chronik ist, so hat sie doch insofern ein Verdienst, daßsie die in den Talmud Versenkten daran erinnerte, daß eine langeGeschichtsreihe ihnen vorangegangen war. Freilich Paßte dieseWissenschaft so wenig in den Kreis der alltäglichen Studien, daßsie Gans vor dem gelehrten jüdischen Publikum rechtfertigen undbesonders auseinandersetzen mußte, daß ein frommer Jude sich keineGewissensbisse zu machen brauche, seine Chronik am Sabbat zulesen. Er berief sich dabei auf seinen Lehrer Jsserles, der indiesem Punkte sich allerdings mehr von seiner Vorliebe für Ge-schichte als von der geltenden rabbinischen Satzung leiten ließ. Diegeringe Achtung der Geschichte unter den deutschen Juden zeigt sichauch in der knappen Inschrift, welche Gans' Grabsäule trägt, kaum,zwei Zeilench, während die Lobrednerei keine Grenzen fand, wennes galt, das Andenken irgend einer rabbinischen Winkelgröße zu ver-herrlichen. Das Talmudstudium, wenn auch nur gedächtnismäßigbetrieben, gab damals mehr Ruhm als jedes auch noch so tieferfaßte Wissensfach.
Diese drei dein Range und der Zeit nach ersten rabbinischenGrößen, Schachna, Salomo Lurja und Jsserles, mit andern Rabbinern
') Zunz zu Ashers Edition des Itinerariuin von Benjamin von Tudcla;Hook zu Liebens Prager Grabsteininschriften.
") Gedruckt zuerst Prag 1592.
°) Lieben, Prager Grabsteininschriften Nr. 9.