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9 (1907) Geschichte der Juden von der Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal (1494) bis zur dauernden Ansiedlung der Marranen in Holland (1618)
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Mose Jsserles.

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1572).*) Sohn eines sehr angesehenen, mit dein Vorstandsamtebekleideten Vaters, verwandt mit Mekr K a tz e n e l l e n b o g e nin Padua, zeichnete er sich mehr durch Frühreife und umfassendeGelehrsamkeit, als durch eine besondere Eigenart des Geistes aus.Jünger und Schwiegersohn Schachnas war Jsserles selbstverständlichfür dessen dialektische Lehrweise eingenommen, und dessen Lehrsätzegalten ihm als unanfechtbar. Von Haus aus so vermögend, daßer eines seiner Häuser als Bethaus weihte^), konnte Jsserles inBehaglichkeit dem Zuge seines Geistes folgen, sich in den Talmudzu vertiefen und sich in dessen Jrrgängen heimisch zu machen. Ererlangte bald einen solchen Ruf, daß er, noch halb im Jünglings-alter, zum Rabbinerrichter in Krakau, oder vielmehr in Kasimierz,ernannt wurde?) Als zwei christliche Handelshäuser Bragadini inVenedig einander Konkurrenz machten, Maimunis Religionskodexzu gleicher Zeit zu drucken, und dadurch der Herausgeber, Me'trK a tz e n e ll e n b o g e n in Padua, zu Schaden kommen konnte,wandte sich dieser an Jsserles, daß er mit dem Gewichte seinerStimme den Verkauf des Nachdrucks in Polen verbieten sollte?)Es wurde mit der Zeit mehr Gewicht auf sein Urteil gelegt alsauf das des greisen Mitrabbinen Mose Landau, der aus Pragnach Krakau gewandert war?) Mit dreißig Jahren umfaßte er dasganze Gebiet der talmudischen und rabbinischen Literatur ebensogründlich wie der noch einmal so alte Joseph Karo.

Auch Jsserles fühlte das Bedürfnis, das weithin zerstreuteMaterial des rabbinischen Judentums zu sammeln und abzuschließen.Da ihm aber Joseph Karo darin mit Abfassung seines Kodex zuvor-gekommen war, so blieb ihm nur übrig, Anmerkungen und Berich-tigungen daran anzubringen. Denn er vermißte darin mancheElemente, namentlich die Berücksichtigung deutsch-rabbinischer Ent-scheidungen und Bräuche. Die Ergänzung zu Karos Kodex vderTafel" nannte er witzelndMap Pa" oderTafeltuch". Dadie deutsche Judenheit von jeher skrupulöser als die übrige war, so

*) Über beide Data ist viel gestritten worden. Das Gewisse ist, daß er1572 gestorben ist. Wenn Asulais Sohn das Datum 1573 aus seinem Grabsteinin Krakau gelesen hat (Asulai s. v.): .-uv rav oi '2 rnr, so

hat er falsch gelesen. Der Grabstein ist gegenwärtig gefunden und die Schriftousgefrischt worden. Da lautet sie: m'3. Vcrgl. I. M. Zünz,

Geschichte der Krakauer Rabbinate (piL.i ->>r) S. 171, ferner S. 3fg. und Be-richtigungen S. 18. Auf Jsserles' Grabschrift bei Wolf IV, Ende fehlt dasDatum.

-) Asulai s. v.

H Vielleicht schon vor 1550, vergl. Jsserles, Lssxx. Nr. 10.

Z das.

°) S. über denselben I. M. Zünz, a. a. O. Text S. 4fg.