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9 (1907) Geschichte der Juden von der Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal (1494) bis zur dauernden Ansiedlung der Marranen in Holland (1618)
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sScholom Schochuo, Salomo Lurja und Mose Jsserles. 417

S ch a ch un, Salomo Lurja und M v s e I s s e r l e s. SchalomSchachna, der älteste unter ihnen (blühte 1528, gest. 1558 r), hat diehaarspaltende, gesuchte, witzelnde (pilpulistische) Lehrweise JakobPolaks (o. S. 54) in Polen weiter verpflanzt. Schachnas Lehrhausfüllte sich mit Jüngern, und er erhob es zur ersten, bedeutendstenHochschule, aus der die meisten Rabbinen der polnischen Gemeindenhervorgingen. Von seiner sonstigen Wirksamkeit wie von seinerPersönlichkeit ist wenig bekannt. Nur der Zug verdient hervor-gehoben zu werden, daß Schachna, gleich seinem Lehrer Polak,Scheu trug, ruhmsüchtig seine rabbinischen Auseinandersetzungen undEntscheidungen schriftlich zu hinterlassen, ein hervorstechendes Ver-dienst gegen die Schreibseligkeit seiner Zeit.

Von einer andern Art war Salomo Lurja (geb. in Posen?um 1510, starb um 1573 ) 2 ) einer eingewanderten deutschenFamilie. Er wäre, in einer bessern, kraftvollem Zeit und in einerandern Umgebung geboren, ein Fortbildner des Judentums ge-worden. Als Sohn einer verkommenen Zeit dagegen wurde ernur ein gründlicher Talmudist in einem hohem Sinne des Wortes,insofern er sich nicht bei dem Gegebenen beruhigte,, sondern jedeseinzelne prüfte und auf die Gold wage kritischer Genauigkeit legte.Schon in seinem Jugendalter hatte er die Selbständigkeit, auszu-sprechen, er teile nicht die Schwäche seiner Zeitgenossen, den ge-schriebenen oder gedruckten Buchstaben von alteren Autoritäten wieunfehlbare Wahrheit zu verehren. Sein Vorbild war die fran-zösische Toßafistenschule, welche es mit Wort und Sache haarscharfnahm, die zerstreuten und zersprengten talmudischen Aussprücheeinem Kreuzverhör unterwarf, kitzliche Fragen aufstellte und nochkühnere Schlußfolgerungen zog. Lurja war ein Rabbenn Tain dessechzehnten Jahrhunderts. Der gründlichen, haarscharf abwägendenDurchforschung des so umfassenden talmudischen Gebietes war seineganze Geistestätigkeit gewidmet, und er war mit den besten Anlagenzu einem solchen kritischen Geschäfte versehen. Mit seinem kühnenForschungssinne, unnachsichtig alles einer strengen Prüfung zu unter-es Seme Funktionsdauer und sein Todesjahr sind bekannt durch seineGrabschrift auf dem Begräbnisplatze in Lublin, mitgeteilt von Halberstamm inder Zeitschrift 4s8okurun von Kobak Jahrg. V, 194.

2 ) Sein Geburtsjahr läßt sich jetzt besser ermitteln. In seinen Rs8xon88n>Nr. 64 gibt er an, daß er in seiner Jugend von seinem Großvater, IsaakKlauber aus Worms, nur Talmud gelernt, und daß dessen Bibliothek bei demgroßen Brande in Posen untergegangen sei. Dieser Brand fand statt am 2. Mai1535, Perles a. a. O. S. 18 fg. nach Lnkaszewicz. Damals war S. Lurja nochjung. Auch im Jahre 1547 nennt er sich noch mn-m iw- vwim Rssxp.Nr. 35. Sein Todesjahr wird von David Gans 1573 angesetzt, es spricht abermanches dagegen.,

Graetz, Geschichte der Juden. IX.

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