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9 (1907) Geschichte der Juden von der Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal (1494) bis zur dauernden Ansiedlung der Marranen in Holland (1618)
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Geschichte der Juden.

Auf Wissenschaften haben sich die Juden Pvlens zwar nichtverlegt, aber so ganz bar derselben, wie die deutschen Juden, warensie keineswegs. Aristoteles, die in der jüdischen Welt so heimische,dem jüdischen Geiste so verwandte philosophische Autorität, fandauch im jüdisch-polnischen Kreise Verehrer; er zog die Jugend be-sonders mächtig an?) Auch Maimunis religiös-philosophische Schriftenhatten daselbst einige, wenn auch nicht viele Leser. Die Sternkundeund die Medizin, diese beiden Lieblingswissenschaften der Juden vonjeher, wurden auch von polnischen Juden gepflegt?) Jur allgemeinenherrschte unter den Juden polnischer Zunge nicht diese Ode wie unterden jüdischen Bewohnern Deutschlands, wo selbst das Talmudstudiumeinen schlendrianmäßigen, langweiligen, einschläfernden Charakterhatte. Die deutschen Rabbinen waren daher von ihren polnischenKollegen vollständig abhängig geworden. Sie bedurften, um inihren Gemeinden etwas durchzusetzen, der ausdrücklichen Nachhilfeder Autoritäten Polens?) Hier hatte in der Tat das Talmud-studrum einen Aufschwung genommen, wie kaum in Frankreich zurZeit der Toßafistenschule. Unter allen Juden Europas und Asienshaben die polnischen sich am spätesten mit dem Talmud vertrautgemacht, dafür haben sie ihn mit schwärmerischer Liebe gepflegt,als wollten sie das Versäumte schnell nachholen. Es schien, alswenn die tiefen Falten des Talmuds erst in Polen ihr rechtesVerständnis, ihre vollständige Durchdringung und Würdigung findensollten; eS schien, als wenn sich erst dort die rechten Steuermännerfür das talmudische Meer" bewähren sollten. Umfassende Gelehr-samkeit und erstaunlicher Scharfsinn waren unter den Talmud-beflissenen Polens auf eine tiberraschende Weise verbunden, undjeder, den die Natur nicht vernachlässigt oder ihm allen Geist vor-enthalten hat, verlegte sich auf die Erforschung des Talmuds. Dertote Buchstabe belebte sich förmlich unter der warmen Begeisterungder jüdischen Söhne Polens; hier wirkte er wie eine vollstrotzendeKraft, zündete Geistesblitze und erzeugte übersprudelnde Denkfülle.Die polnisch-talmudischen Hochschulen waren daher seit dieser Zeitdie berühmtesten in der ganzen europäischen Judenheit. Wer Gründ-liches lernen wollte, begab sich dahin. In einem jüdisch-polnischenLehrhause ausgebildet sein, galt ohne weiteres als Empfehlung, undwer diese nicht hatte, wurde nicht als ebenbürtig angesehen.

Drei Männer waren es, welche nach Jakob Polak den Ruf derpolnischen rabbinischen Hochschulen begründet haben, Schalom

Vergl. Hesxp. Mose Jsserles' Nr. 6 von Salomon Lurja: 2221 mn rmx,I222X IÜSN 1.12 2M2 ll'21N21 2'2,2O2, 0,^'-N2 2,02 >r>'N2; Mich dlls. Nr. 7.

") (lommsmloni, o. S. >77, Note.

2) Folgt aus mehreren Responsen Mose Jsserles'.