Beteiligung der Juden nu den Wissenschaften in Polen. 415
Ein Verdienst dieses Königs war, daß er die schöne nnd wissen-schaftliche Bildung ans Italien, Frankreich und Deutschland in Polenunter dem Adelsstände heimisch machte.
Polnische Edelleute, welche gern Reisen machten, brachten eben-falls Interesse dafür aus Deutschland und Italien mit nnd ließenihre Söhne an den reformierten Universitäten von Wittenberg undGenf studieren. Es entstanden Schulen in Polen, woran jüdischeKnaben und Jünglinge mit christlichen gemeinschaftlich teilnahmenU)Eine jüdische Synode soll sogar an die Gemeinden ein Sendschreibenerlassen haben, worin sie die Juden zur Pflege der Wissenschaftaufgemnntert habe. Dieses Sendschreiben, wenn es echt ist, hateine sehr interessante Seite. Die Mitglieder der Synode belehrten:„Gott hat verschiedene Sefirot (Ausstrahlungen). Adam gab unsdas Vorbild verschiedener Vollkommenheiten. Ein Israelit darfsich daher nicht auf eine einzige Wissenschaft beschränken. Dieerste Wissenschaft ist zwar heilig (die Theologie), aber die übrigenWissenschaften dürfen darum nicht vernachlässigt werden. Die besteFrucht ist der Apfel des Paradieses, aber soll man darum nichtauch andere Früchte kosten? Alle Wissenschaften sind von unfernVätern erfunden; derjenige, der nicht gottlos ist, wird den Ursprungunseres Wissens in den Büchern Mose finden. Was der Ruhmunserer Väter war, kann jetzt nicht in Unehre verwandelt sein. Eshat Inden an den Höfen der Könige gegeben . . . Leget euch aufdie Wissenschaften, seid nützlich den Königen und den Herren, undalle Welt wird euch achten. Es gibt so viele Juden auf Erdenwie Sterne am Himmel und Sandkörner im Meere, aber bei unsleuchten sie nicht wie die Sterne, sondern alle Welt tritt uns mitFüßen wie den Sand. Unser König, weise wie Salomo und heiligwie David, hat bei sich einen andern Samuel, fast einen Propheten(Samuel Maciejowski, Kanzler). Er betrachtet sein Volkwie einen unermeßlichen Wald. Die Winde streuen die Samenaller Bäume hin, und niemand fragt, woher die schönen Pflanzenkommen. Warum soll sich nicht auch unsere Zeder des Libanonerheben in der Mitte grüner Matten?" 2)
*) Worüber der Primas von Pole», Pater Gamrat, im Jahre 1542 bittereKlage führte, bei Onaelci das. i>. 180, Rote b.
") Das Fragment ans einem Papierstreifen, das L-raelci in einem Archivgefunden, nnd woraus er das Obige mitgeteilt hat (das. p. 178 fg s, erscheinthöchst apokryph. Wer waren die Mitglieder der Synode, welche diesen Hirtenbriefzur eifrigen Pflege der Wissenschaft erlassen haben? Doch wohl auch Rabbiner.Aber es ist keiner aus dieser Zeit bekannt, der ein so warmes Herz für dieWissenschaften gehabt Hütte. Man erfährt auch nicht aus tlraolri, ob derPapierstreisen hebräische, lateinische oder polnische Buchstaben enthielt. Manchestilistische Wendungen klingen gar nicht hebräisch oder rabbinisch.