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9 (1907) Geschichte der Juden von der Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal (1494) bis zur dauernden Ansiedlung der Marranen in Holland (1618)
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408 Geschichte der Juden.

ein Arzt Benveniste bei Sind ns Pascha, welcher dreimalGroßvezier warU)

Auch jüdische Frauen mit klugem Sinne und ein wenig inArzneikunde eingeweiht, erlangten unter den Sultanen Murad III.,Mohammed IV. und Achmed I. vermittelst des Harems großen Ein-fluß. Unter diesen zeichnete sich Esther Kiera 2 ), Witwe einessonst unbekannten Elia Chendali, besonders aus. Sie standin besonderer Gunst bei der Snltanin Baffa, LieblingsgemahlinMurads, welche die Politik unter ihrem Gatten und später unterihrem Sohne Mohammed leitete. Wenn ein christlicher Staat irgendetwas bei der Pforte durchsetzen wollte, mußte er die jüdische Unter-händlerin Kiera gewinnen. Das wußten namentlich die Venezianerauszubeuten. Dafür, daß ihr der Staat ein Lottospiel in Venedigbewilligte, erhielt er bedeutende Handelsvorteile vom Sultan Murad,die ihm sonst versagt worden wären. Sie vergab zuletzt wichtigeÄmter im Staate und ernannte Kriegsobersten. Alle Ehrgeizigen,die zu einem hohen Amte gelangen wollten, bezeigten daher derKiera hohe Verehrung und Schmeichelei. Sie bereicherte sich natür-lich durch ihre stille Macht, wie jedermann in der Türkei, der, wieschwach oder stark auch immer, in die Speichen des Staatsräder-werkes eingriff. Für ihre Stammgenossen zeigte sie großes Inter-esse; sie unterstützte Arme und Leidende, speiste Hungrige undtröstete Traurige. Auch die jüdische Wissenschaft empfand ihrespendende Hand. Auf ihre Kosten wurde Zacutos Geschichtswerkveröffentlicht (S. 375). Natürlich erregte ihre Stellung Neid. EstherKiera hatte sich unklugerweise in die Ernennung der Reiterobersteneingemischt, zuerst einen hohen Posten dem einen zugesagt und ihndann einem andern zugewendet. Die türkischen Sipahis, die stolzesteSoldatenklasse, nahmen solches sehr übel, rotteten sich zusammen undforderten ihren Kopf. Der stellvertretende Großvezier Chalilwollte sie zwar mit ihren Söhnen retten und sie in seinen Palastkommen lassen. Aber auf der Treppe wurde Esther Kiera samtdreien ihrer Söhne von den Sipahis ergriffen, zerfleischt und ihreGliedmaßen an die Türen der Großen gehängt, welche durch ihreHilfe ihre Stellen erlangt hatten. Nur einer ihrer Söhne blieb amLeben, weil er sich zum Islam bekannte (März 1600)^). Unterdem Sultan Achmed I. gelangte eine andere jüdische Frau zu hohemAnsehen, die Witwe des Staatsmannes Salomo Aschkenasi, namensBula Jschtaki (o. S. 407). Sie war so glücklich, den jungenSultan von den Blattern zu heilen, die kurz nach seiner Thron-besteigung sein Leben bedrohten, und für welche die türkischen Ärzte

-) S. Note 8.

°) Dieselbe Note.

-) Das.