Druckschrift 
9 (1907) Geschichte der Juden von der Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal (1494) bis zur dauernden Ansiedlung der Marranen in Holland (1618)
Entstehung
Seite
407
Einzelbild herunterladen
 

Salomo Aschkenasi.

407

und Unterzeichnete Präliminarien im Namen des Sultans mit demersten Tragoman ChurremL) Für das gute Einvernehmen derPforte mit Venedig sorgte er mit vielem Eifer. Dafür wurde ervon dem Dogen dadurch belohnt, daß seine Söhne auf Kosten desStaates in Venedig lebten.?)

Für seine Stammgenosseu wirkte Salomo Aschkenasi nur ab-wehrend. Sultan Murad hatte einmal in Airwandlung einer Launeden Befehl erlassen, sämtliche Juden im türkischen Reiche einfachtotzuschlageu. Die Veranlassung dazu war, daß die Juden undnamentlich ihre Frauen übertriebenen Aufwand machten; eiire jüdischeFrau hatte sich die Freiheit herausgenommen, einen Halsschmuckvoir Edelsteinen und Perlen im Werte von 40000 Dukaten zutragen. Das war dem Sultan hinterbracht worden und hatteseinen Zorn oder seine Geldgier gereizt. Indessen mochten sichSalomo und die andern einflußreichen Juden bei den Vezieren fürihre Stammgenossen verwendet haben; eine bedeutende SummeGeldes wurde der Sultanin-Mutter und dein Anführer der Janitscharenvon seiten der Juden überreicht, und infolgedessen wurde das Ver-tilgungsdekret in eine Luxusbeschränkung verwandelt. Tie Judendurften fortan gleich den Christen in der Türkei nicht in seidenen Ge-wändern einhergeheu und keine Turbane tragen, sondern nur eineArt Mütze (um 1579^). Nichtsdestoweniger behielten die Judenunter Murads Regierung die Steuerpacht, wie auch der Großhandelin ihren Händen war>) Salomo blieb Ratgeber und diplomatischerAgent bei sämtlichen Großvezieren, die Murad oder vielmehr derHarem in kurzen Zwischenräumen ein- und abgesetzt hatte. Auchunter Mohammed IV. (15951603) hatte er noch Einfluß und leistetedem Vezier Ferhad Pascha in seiner Bedrängnis treue Dienste.Ms dieser Großvezier beini Sultan verleumdet wurde, die Truppen,die er ins Feld führen sollte, aufständisch gemacht zu haben, undgezwungen war, nach Konstantinopel zu fliehen, erwirkte ihm Salomovom Sultan vermittelst eines überreichten kostbaren Dolches einHandschreiben, das Ferhads Leben sicherte (Juli 1595) 5). Sein SohnNathan, wahrscheinlich ebenfalls Arzt, stand in Ansehen bei demSultan Achmed I., und seine Frau Bnla Ischtaki bei einerSultaniu.b) Jeder Vezier hatte seinen jüdischen Geschäftsführer;ein Bruder Salomos stand bei Ibrahim Pascha in Gunst, und

v. Hammer, Geschichte des osmanischen Reiches IV, S. 10.

2) Das. »8.

h Bericht des venezianischen Gesandten Vatleo Venisr bei Liberi, Rela-rioni, seris 3, 1. II x. 299.

^) Bericht des venez. Ges. Anne das. 3, III p. 389 von, Jahre 1591.

v. Hammer, a. a. L. IV, S. 217 fg. ") Note 8.