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9 (1907) Geschichte der Juden von der Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal (1494) bis zur dauernden Ansiedlung der Marranen in Holland (1618)
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Geschichte der Juden.

der ihres Gatten übergegangen war, gedachte gleich diesen ihr Ver-mögen im Interesse der jüdischen Wissenschaft zu verwenden. Sielegte eine hebräische Druckerei in ihrem Palaste Belveder undspäter in einem Dorfe Kuru -- G'ismu auf der europäischen Seitevon Konstantinopel an. Allein sie wurde von einem geschmack-losen Geschäftsführer, Joseph Askaloni, dem sie die Presseanvertraut hatte, irre geführt, so daß nur bedeutungslose Schriften,die besser im Dunkeln hätten bleiben können, in ihrer Offizin (1579bis 1598) erschienen sind?) Das größte Bedürfnis war, den Talmudneu aufzulegen, da das Papsttum und die Dominikaner ihn nochimmer in den christlichen Ländern ächteten. Dona Reynas Druckereinahm auch einen Ansatz dazu, es blieb aber beim Versuch. So hatsich diese edle Familie, zwei Männer und zwei Frauen, die so vielvon sich zu ihrer Zeit reden gemacht, kein würdiges Denkmal vonDauer gesetzt; ihr Wirken mit der edelsten Absicht ging im Stromeder Zeiten unter.

Mit dem Abtreten des Herzogs Joseph vom Schauplatze stiegdas Ansehen des jüdischen Staatsmannes Salomo Aschkenasi(o. S- 369 f.), des Friedensstifters zwischen der Türkei und Venedig.Aber so viel er auch durch seine feinen diplomatischen Künste durch-zusetzen vermochte, er stand nicht wie Joseph von Naxos im Vorder-gründe der Begebenheiten als türkischer Würdenträger, sondern imHintergründe als kluger, verschwiegener Vermittler. Salomo Aschkenasihatte keinen Zutritt zum Sultan selbst, sondern verkehrte nur mitden Großvezieren hintereinander, deren rechte Hand er war. DieUnterhandlungen zwischen der Türkei und Spanien wegen einesFriedens oder wenigstens eines leidlichen Verhältnisses, von beidenSeiten gewünscht, aber wegen gleichen Stolzes immer hinaus-geschoben, abgebrochen und wieder angeknüpft, leitete Rabbi Salomo,der wie kein anderer dazu geschickt war, und führte sie auch teil-weise durch. Dabei zeigte er im Interesse des türkischen Staateseine damals seltene Uneigennützigkeit. Der spanische Gesandte hatteihm Tausende von Dukaten versprechen lassen, wenn er es durch-setzen wollte, daß der Waffenstillstand auf acht Jahre ausgedehntwürde. Darauf erwiderte Salomo aus Udine mit Verachtung:Gott behüte mich, daß ich einen solchen Verrat an meinem Herrnbegehen sollte, ich weiß, daß der König Philipp von Spanien denWaffenstillstand nur dazu benutzen würde, um sich zum Schadender Türkei zu stärken." ?) Er brachte den Frieden doch zustande

U S. Carmolys lossgb, äuo äs Uaxos p. 12 fg; llkrskir, Jahrg. 1858N. 67 fg.; Fürst, Libliotbecnr lll in 150.

Oluu i'iers a. a. O. p. 832.