Josephs von Naxos Tod.
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der Menge voraushaben. Sie brachten an diesem Grabe zweimaldes Jahres 10 Tage und 10 Nachte vor dem Wochen- und deinNeujahrsfeste zu. Ein Zelt wurde von dem angeblichen Grabe benJochaiZ bis zu dem angeblichen seines Sohnes Eleasar ausgespannt.Unter diesem Zelte trug je einer der Kabbalisten laut den Soharvor und legte ihn nach Lurjas Anleitung aus. Ein Diener besorgtefür die auf den Gräbern Brütenden Speise und Trank und viermohammedanische Trabanten hielten Wache bei ihnenU)
So glich denn der Glanz, der von dem jüdischen Herzog vonNaxos und andern einflußreicheil Juden am türkischen Hofe auf ihremorgenländischen Glaubensgenossen fiel, genau betrachtet, einemIrrlichts, das einen Sumpf mit Hellem Schimmer flimmern macht.Denn in der Tat war die religiöse Versumpfung grell genug indieser Zeit, es war ein entschiedener Rückfall ins Heidentum, undwas noch schlimmer war, es gab nicht einen einzigeil Warner, derdie Schäden erkannte, und mit wie schwacher Stimme auch immerdie Verkehrtheit als solche gebrandmarkt hätte. Ob vielleicht dasVollgefühl der Sicherheit, in das sich die Juden der Türkei untermächtigeil Beschützern ihres Stammes gewiegt, dieses Unwesen ge-fördert hat? Jedenfalls nahm es nicht ab, als dieser Schutz all-mählich schwand. Denn der Einfluß des Joseph von Naxos auf denSultan Selim hörte mit dem Tode dieses letztem auf (1574). SeinNachfolger, Sultan Mur ad 111. (1574—1595), ließ zwar gemäßletztwilliger Verfügung seines Vaters den jüdischen Herzog in seinerWürde und seinen Ämtern. Aber direkten Einfluß auf den Divanhatte er nicht »lehr; er wurde von seinem Gegner, dem Großvezier,Mohammed Sokolli, und seinem Nebenbuhler, Salomo Aschkenasi,daraus verdrängt und konnte nur noch durch Intrigen vermittelstdes Harems etwas durchsetzend) Joseph Naßi überlebte seine teil-weise Ungnade nicht lange; er starb an einem Steinleiden (2. August1579), von seinen Stamingenossen aufrichtig betrauert. Der Dichterund Prediger Saadia Longo in Salonichi hielt ihm eine Ge-dächtnisrede. Seine angehäuften Schätze zerrannen ebenso wie seineweitfliegendeil Pläne. Der geldgierige Sultan Murad, welcher aufGoldhaufen schlief, damit sie ihm nicht entwendet würden, zog aufden Rat des Mohammed Sokolli dessen ganzes Vermögen ein, an-geblich um dessen Schulden zu decken. Die verwitwete HerzoginReyna Naßi erhielt kaum aus der Hinterlassenschaft ihre ein-gebrachte Mitgift von 90000 Dukaten heraus. Diese edle Frau, aufwelche zwar weder der Geist ihrer Mutter, der Dona Gracia, noch
') Schloniel, Sendschreiben a. a. O. p. 46 b.
h Lbnrriere, kleß-ovintions äs In ^rnncs III p. 648, Note.