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9 (1907) Geschichte der Juden von der Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal (1494) bis zur dauernden Ansiedlung der Marranen in Holland (1618)
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Geschichte der Juden.

literatur an, es verbot das Lesen des der Rassischen Werkes für ^Jünglinge unter fünfundzwanzig Jahren?) Durch diese, wenn auchnicht ganz offizielle Verketzerung hat es wenig Einfluß auf die jüdischeMit- und unmittelbare Nachwelt ausgeübt, ist daher erst in der neuestenZeit gewürdigt worden und hat eine neue lichtvolle Geschichtsbetrach-tung in jüdischen Kreisen angeregt. Im christlichen Kreise ist detRossis Werk viel früher beachtet, beleuchtet und daher ins Lateinischeübersetzt worden.

Wie konnte auch die nüchterne, prüfende BetrachtungsweiseAnklang finden in einer Zeitströmung, in welcher die Schwindelerregende Kabbala das große Wort führen durfte, die Blindgläubig-keit als höchste Tugend und die Schwärmerei bis zum fanatischenTaumel anzupreisen und zu steigern. Die Verzückungen SalomoMolchos und Joseph Karos und ihre messianische Schwärmerei könnenals nüchtern gegen das Tun und Treiben gelten, welches nach ihnenauftauchte und einen wahren Hexensabbat feierte. In den letztendrei Jahrzehnten des sechzehnten Jahrhunderts errang die Kabbalain Palästina eine unbedingte Alleinherrschaft, veranstaltete Geister-erscheinungen, Beschwörungen, trieb wahrhaft mystische Orgien, ver-breitete sich von da aus über die ganze Türkei, Polen, Deutschland -und Italien, verdunkelte und verwirrte die Köpfe, verschlechtertesogar die Herzen, ließ keinen gesunden Gedanken aufkommen oderbrandmarkte ihn als Ketzerei und Sünde. Abermals wie zur Zeitdes jungen Christentums wurde Galiläa und namentlich die Gegendvon Safet der Schauplatz für eine Menge böser Geister und Besessener,welche mystische Beschwörungen herausforderten und tiefe Geheim-nisse offenbarten, und man weiß nicht, ob die Beschwörer um derBesessenen oder diese um jener Willen aufgetaucht sind. Es entstand >eine Zeit wahrer kabbalistischer Raserei, welche mit Zuchtlosigkeit undHerzensverderbnis Hand in Hand ging und nicht bloß die Wissen- !schäften, sondern auch den zur Nüchternheit anleitenden Talmudheruntersetzte. Für die Judenheit begann damals erst ein eigen- !tümliches, dummgläubiges Mittelalter, als sich in der europäischenWelt nur noch die letzte Spur des nächtlichen Grauens zeigte.Diese Richtung wurde von zwei Männern angeregt, die mit ihrer ^Schwärmerei und ihren Verzückungen einen immer größern Kreisansteckten, von Isaak Lnrja und seinem Jünger Chajim VitalCalabrese.

Isaak Lurja Levi, geb. in Jerusalem (1534, st. 1572 2), stammteaus einer deutschen Familie. Früh des Vaters beraubt, kam der

*) Quelle bei Zuuz a. a. O.

2) S- über ihn Note U. ^