Gedalja Jbn-Jachja.
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Gegenstände angewendet hat, welche bei der großen Menge als un-antastbare Wahrheit galten, daß er Profanquellen zur Beleuchtungherangezogeu und daß er die Agada auf ihren eigentlichen Wertzurückgeführt hat. Tenn die positiven Ergebnisse jener geschichtlichenForschung sind meistens nicht stichhaltig ausgefallen. So stark er imWegräumen störenden Schuttes war, so gering war seine Leistungim Aufbauen.
Seine Leistung erscheint erst in ihrem rechten Lichte, wenn mausie mit der seiner zeitgenössischen Umgebung oder gar mit der seinerFachgenossen vergleicht, namentlich mit der des GeschichtsschreibersGedalja Jbn-Jachja. Sie bildeten förmlich Gegenpole. — EinAbkömmling der edlen Familie der Jachjiden italienischer Linie,hatte Gedalja (geb. 1515, st. um 1587 ch den Sinn derselben fürWissen geerbt, und sein Reichtum ermöglichte ihm, diesen in einerreichen Bücherwelt zu befriedigen. Er hatte auf seinen freiwilligenund gezwungenen Wanderungen in Norditalien — er war Predigerund mußte durch die Unduldsamkeit der Päpste ein unstätes Lebenführen — viel gesehen und viel gelesen, auch Profanliteratur, aberalles ohne selbständiges Urteil, ohne Unterscheidungsvermögen undohne Sinn für den Kern der Wahrheit. Jbn-Jachjas kurzgefaßte„Geschichte der Juden", verbunden mit einer weltgeschichtlichenChronik, „die Kette der Überlieferung" ch, woran er beinahevierzig Jahre gearbeitet, liefert ein buntes Muster von zuverlässigengeschichtlichen Nachrichten und Fabeleien, von Urkunden und blöd-sinnigen Erzählungen. An Verzauberungen und böse Geister glaubteGedalja Jbn-Jachja ebenso fest, wie an die sinaitische Gesetzgebungund an den Talmud. Und doch oder gerade wegen seiner Märchen-haftigkeit hat sein Buch mehr Anklang unter den Juden gefundenals de'i Rossis Untersuchungen. Als des letztem „Augenleuchte" imersten Abdrucke nach Safet gelangte, fanden die dortigen Über-srommen den Inhalt äußerst ketzerisch. Joseph Karo trug einemMitglieds seines Rabbinatskollegiums, Elisa Galico, auf, eine Ver-dammungsschrift zu formulieren, die an die ganze Judenheit gerichtetwerden sollte, de'i Rossis Schrift zu verbrennen. Die Safetaner übtenebenfalls eine Ketzerinquisition aus. Joseph Karo starb aber, ehe erdas Verdammungsurteil unterzeichnet hatte Ms-ui — April 1575).Indessen waren Pie italienischen Juden doch nicht so fanatisch, de'iRossi zu verdammen, da sie ihn als einen rechtgläubigeil und sittlichlautern Juden kannten. Das Mantuaner Rabbinat wendete daraufnur das Verfahren ben Adrets gegen die Beschäftigung mit Profan-
i) Vergl. seine Biographie von Carmoly, die Jachjiden p. 33 fg.
h oder gedruckt zuerst Venedig 1587.