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Geschichte der Juden.
immer Verzückungen und Erscheinungen im Traume, er werde durchVollendung seines Religionskodex als Norm für die ganze Judenheitüberall als die erste Autorität anerkannt werden, er werde dadurchdie dem Jakob Berab mißglückte Erneuerung der Weihen (Ordination) Ufür Richterrabbiner durchsetzen, die Einheit des Judentums wiederHerstellen und dadurch die messianische Zeit fördern. Und er hatein ganzes Menschenleben damit zugebracht 2), um den weitschichtigenStoff zusammenzutragen, das Für und Wider abzuwägen, dasSchlußergebnis zu machen und es an die betreffende Stelle einzu-reihen. Er ist allerdings damit einein Bedürfnisse entgegen gekommen.Es mangelte in der Tat an einer das ganze Gebiet der religiösenPraxis umfassenden Norm, nicht aus Nnkunde, wie ehemals inMaimnnis Zeit, sondern gerade wegen Überladung des Wissens.Die Wanderung der Juden von West nach Ost, von Nord nach Südund die Buchdrnckerkunst hätten nämlich einen bedeutenden Um-schwung erzeugt. Die jüdischen Druckereien in Italien hatten dieBeschaffung von sonst teuren und seltenen Schriften ungemein er-leichtert. Je mehr der Talmud, die Kommentarien dazu, die Reli-gionskodizes verschiedener Art und die Gutachtensammlungen ver-vielfältigt worden waren, desto mehr nahm die Zahl der Talmud-beflissenen in fortschreitenden: Verhältnisse zu. Die begabten Armenerhielten diese Bücher durch den frommen Sinn Reicher oder konntensie in Bibliotheken benutzen, welche fast jede größere jüdische Ge-meinde in einen: unterhaltenen Lehrhause besaß. Die zahlreichenGemeindegruppen, welche sich namentlich in: türkischen Reiche Europasund Asiens bildeten, machten zudem das Bedürfnis nach Rabbinenfühlbar; jede Gemeindegruppe stellte einen Rabbinen und meistensgar ein Kollegium an. Jeder nur irgendwie beanlagte Kopf ver-legte sich daher auf das Studium der talmudischen und rabbinischenLiteratur, weil jeder sicher war, irgendwo ein Unterkommen zufinden. Die Zahl der Talmudkundigen war daher in: sechzehntenJahrhundert viel, viel größer, als bis dahin. Dadurch trat abereine große Zerfahrenheit ein. Da der Talmud und noch mehr diespäter:: Religionskodizes eine Meinungsverschiedenheit über fast jedeneinzelnen Punkt des religiösen, rituellen, rechtlichen und eherecht-lichen Lebens begünstigen, so trat eine Zerklüftung ein, welche zuZänkereiei: und Zerwürfnissen in den Gemeinden führte, weil seltenzwei Rabbinen über eine aufgeworfene. Frage eines Sinnes waren.Jeder war imstande, aus den: weitschichtigen Schrifttum Gründe fürJa oder Nein beizubringen. Ter eine hielt sich an Maimuni, der
') S. 0 . S. 284 f. und Note 5.
2 ) Bon 1522 bis 1558.