Joseph Karos Religionskodex.
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andere an Alfaßi, ein dritter an Ascheri oder an den Kodex vonJakob Ascheri, oder an Nachmani, an Bet-Adret oder an eine andereAutorität, die deutschen Juden Meistens an deutsche Autoritäten.
Dieser Zerfahrenheit und Zerklüftung wollte nun Joseph Karomit seinem neuen Religionskodex steuern. Er umspannte das ganze,fast unübersehbare talmudische und rabbinische Gebiet in seinem Ge-dächtnisse — wenn er es auch nicht im Geist zu beherrschen ver-mochte. Bei der Ausarbeitung folgte er der Ordnung im Kodexdes Jakob Ascheri, berichtigte ihn aber aus anderweitigen Ent-scheidungen anderer Autoritäten und ergänzte ihn vielfach aus spätemElementen. Karo gab seinen: Werke überhaupt mehr den Charaktereines Gesetzbuches, indem er den Stoff selbständig verarbeitete,formulierte und abrundete, während Jakob Ascheri die aufgenommenenElemente oft in ihrem ursprünglichen Gefüge gelassen, wie er sievorgefunden hatte, und daher die Träger derselben bei Namen be-zeichnet^ Karo dagegen hat sich nach dieser Seite mehr an diemaimunische Form gehalten. Meistens zählte er die Stimmen.Wenn Alfaßi, Maimuni und Ascheri nicht über einen Punkt zusammen-stimmten, so folgte er zweien derselben als der Mehrzahl gegen deneinzelnen. Da er von Geburt Spanier war, so bevorzugte er un-willkürlich die Ansichten spanischer Lehrer vor deutschen und fran-zösischen — und beging dadurch eine Einseitigkeit. Dem Gebraucheund dem Herkommen der spanischen Juden huldigte er über Gebührund nahm sie als feste Norm in seinen Religionskodex auf. Nurin betreff der abergläubischen Praktiken, die aber teils vom Talmudstammen, wenn auch von Maimuni und auch von Jakob Ascheri mitStillschweigen übergangen, und teils von später:: herrühren, hielt ersich an die deutsche Schule und räumte ihnen einen Platz ein. Karostellte z. B. als Vorschrift auf das Waschen des Morgens nach demSchlafe oder nach gewissen Verrichtungen, um die bösen Geister zubannen i); — das Fasten auch am Sonnabend, um böse Träumeunschädlich zu machen "); endlich daß man Feinde nicht nebeneinanderbegraben soll?) An Überfrömmigkeit übertraf er noch Jakob Ascheri.Man dürfe keine Verse und Fabeln an: Sabbat lesen, eigentlichauch nicht an Wochentagen, um so weniger solche, welche Liebeleienoder Ausgelassenheit zum Inhalt haben, wie die Novellen desImmanuel Romi^); Verfasser, Abschreiber und Drucker solcher Schriftenseien zu den Verführern zur Sünde zu zählen. Kabbalistische Elementehat Karo selbstverständlich auch ausgenommen^), wenn auch nurwenige, als hätte er es gescheut, für das praktisch-religiöse Leben
') Kodex Oraeb 6bajim Z -1. ") Das. 8 288. äors Oeal> Z 382.
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Graetz, Geschichte der Juden. IX.
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