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9 (1907) Geschichte der Juden von der Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal (1494) bis zur dauernden Ansiedlung der Marranen in Holland (1618)
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Geschichte der Juden.

tinopel errichtet, aber weiter nichts als einen Teil der hebräischenBibel veröffentlicht und dann sie wieder eingehen lassen, weil siewenig Gewinn brachte?) Aber vor- und nachher haben weit wenigerbemittelte Unternehmer Druckereien in Konstantinopel und Salonichiunterhalten. Mußte doch Joseph Karo, die hochverdiente AutoritätPalästinas, der sich so sehr des Joseph von Naxos angenommenhatte, als ihm Gefahr gedroht, für den Truck eines seiner umfang-reichen Schriften in Italien betteln lassen, ohne bei dein reichenjüdischen Herzog Unterstützung zu finden. Denken und Forschenüber Religion und Bestimmung des Menschen war nicht Sache desJoseph von Naxos. So viel Geist er auch hatte, er richtete ihnnicht nach dieser Seite hin sondern auf weltliche Dinge; er nahmdie Religion des Judentums als etwas Gegebenes hin, worüberweiter nicht viel zu grübeln sei. Im Alter hat er zwar ein Schrift-cben drucken lassen, das ein Religionsgesprüch sein soll, welches ermit einem zugleich ungläubigen und ini astrologischen Wahne be-fangenen Christen geführt haben will?) Aber man weiß nicht, wie-viel daran ihm und wie viel der geschäftigen Feder des Heraus-gebers Isaak Onqueneira angehört, und selbst wenn der ganzeInhalt Joseph von Naxos angehört, würde es nur beweisen, daßer sich bei der Anschauung des Talmuds beruhigt hat, um andringen-der religiöser und philosophischer Fragen überhoben zu sein.

Joseph von Naxos war überhaupt nicht geeignet, die geistigeBlüte der Juden zu fördern; er hatte sich durch den Verkehr mitdein türkischen Hofe Stolz und herrisches Wesen ungeeignet, undkonnte keinen Widerspruch vertragen. Er behandelte daher dieRabbinen, die von ihm lebten, als seine Kapläne, die selbst seineungerechten Launen durch ihre Gelehrsamkeit rechtfertigen und durchihre Autorität ausführen mußten, wenn sie nicht seiner Ungunst ge-wärtig sein wollten. Als ihn daher eine Laune oder ein Interesseauwandelte, sich mit seinem verräterischen Agenten Daud, dener hatte bannen und verbannen lassen (o. S. 366), wieder auszu-söhnen und ihn aus der Verbannung in Rhodus zurückzurufen, solltendie Rabbinen auf sein Geheiß den über jenen verhängten Bannebenso schnell lösen, wie sie ihn aus Zuvorkommenheit ausgesprochenhatten. Nun war die Sache nicht so leicht. Denn ein so feierlicherBann von so vielen Rabbinaten und Gemeinden verhängt, konnte

3) Bei Olurrrisrs a. a. O. II, p. 779, Note um 1564. Seit 1503 war inKonstantinopel eine Druckerei; seit 1530 druckte das. Soncin viel; s. de Rosst,Xnnatss tZ'poKrapbioi saeeuli XVI und jüdische Typographie in Ersetz undGruber, Enzyklop. II T. 28 S. 37.

h Titel °>oi' niiL, herausgegeben von Joseph Onqueneira 1577; vergl.darüber Wertheimers Wiener Jahrbuch 1856 zu Josephs Biographie.