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9 (1907) Geschichte der Juden von der Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal (1494) bis zur dauernden Ansiedlung der Marranen in Holland (1618)
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Neuerbanung von Liberias durch Joseph von Naxos. 381

hatte, davon Gebrauch. Der jüdische Fürst hatte auch dafür gesorgt,daß die Auswanderer Gelegenheit zur Überfahrt finden sollten.Seine Schiffe erwarteten sie in den italienischen Häfen Venedig,Ancona und andern, um sie sicher vor den gottgeweihten Piratendes Malteserordens an Ort und Stelle zu bringen; dem: dieseheiligen Ritter bekundeten ihre Ritterlichkeit an Juden, welche nachdem Orient segelten, um sie auszuplündern oder zur Taufe zuzwingen. Wie viele neue Ansiedler in Liberias eingetroffeu sind,ist unbekannt, und zweifelhaft, ob sie Josephs Plan gefördert haben.

Er selbst scheint dein kleinen jüdischen Gemeinwesen nicht seineganze Tatkraft zugewendet zu haben; seine Pläne gingen überhauptins Weite, und darum hat Neu-Liberias keine Rolle gespielt. Erarbeitete zunächst daran, die Insel Naxos mit den nahen Inseln imägäischen Meere als Herzogtum zu erhalten. Und als er so glücklichwar, vom Sultan Selim zum Herzog ernannt zu werden, dachteer gar nicht daran, seinen kleinen Inselstaat mit Juden zu bevölkern;vielleicht war es auch nicht ausführbar. Dann war sein Sinn daraufgerichtet, König von Cypern zu werden. Möglich, daß er die Inselder Göttin der Schönheit in einen jüdischen Staat umgewandeltHütte, wenn er sie in Besitz bekommen hätte. Aber sein Feind, derGroßvezier Mohammed Sokolli, ließ es nicht dazu kommen. Sozerrannen seine Träume, einen selbständigen jüdischen Staat zugründen.

Überhaupt hat Joseph von Naxos nichts Wesentliches undDauerndes für das Judentum getan. Er hat immer Anläufe dazugenommen, ist dann aber wieder erschlafft oder vergriff sich in denMitteln. Der Grund lag in seiner geringen Kenntnis des jüdischenSchrifttums und in seinem Mangel an wissenschaftlichen: Sinn.Joseph von Naxos hielt nach dieser Seite keinen Vergleich aus mitdem Staatsmanne Chasda: Schaprnt oder gar mit Samuel Nagid,welche die Forderung der jüdischen Wissenschaft als eine Lebens-aufgabe betrachtet hatten. Er hat wohl ein Lehrhaus in seinerResidenz Belveder in Konstantinopel angelegt und auch sonst dieAusleger des Talmuds unterstützt. Aber das war mehr Sache äußer-licher Religiosität als innerer Überzeugung, das Studium des Talmudszu fördern. Er würde, wenn Christ geblieben, mit derselben Äußer-lichkeit Klöster erbaut haben. Wohl hat Joseph von Naxos seltenehebräische Handschriften angekauft und auf seine Kosten selteneSchriftwerke kopieren lassend) Aber der arme Isaak Akrisch hatteauf eigene Hand noch früher eine größere Sammlung seltenerSchriften angelegt?) Joseph hatte auch eine Druckerei in Konstan-

Zusammengestellt bei M. A. Levi, Note 91.

'h Akrisch, Eint, zum Tripelkommemar zu Cauticum.