Unabhängigkeitssinn der türkischen Juden. 379
Das Hochgefühl und die Befriedigung der türkischen Juden ander Gegenwart flößten ihnen den Gedanken an Unabhängigkeit ein.Während die Juden in der Christenheit gar keinen Sinn dafürhatten und sich selbst von jeher nur in Untertänigkeit und in ge-beugter Gestalt vor ihren Herrn denken konnten, machten sich jenemit dem Bewußtsein vertraut, jüdische Selbstherrscher und unab-hängige Juden zu sehen. Die Berichte des Abenteurers DavidReubeni von kriegerischen jüdischen Stämmen und gekrönten jüdischenHäuptlingen in Arabien oder Nubien beschäftigten türkische Judenernstlich. Sie lauschten auf Nachricht von dorther, um das unterder Hand von vielen Seiten Erfahrene als Gewißheit bestätigt zuhören. Messianische Träumereien liefen dabei mit unter. Wenn esnoch selbständige jüdische Stämme gäbe, so sind die Worte derPropheten von dem künftigen Glanze des jüdischeil Volkes nicht zurErde gefallen und dürften sich einst verwirklichen. Samuel Usque,der dichterische Geschichtsschreiber, der aus Ferrara nach Konstantinopelinfolge der Wut in Italien gegen die Marranen ausgewandert zusein scheint, zog mit noch andern geflissentlich Nachrichten solcherArt ein und gab ihnen die weiteste Verbreitung?) Selbst IsaakAkrisch, der sich sehr ungläubig gegen solche Nachrichten stellte undSamuel Usque und Genossen als Phantasten und Lügenschmiedeverdächtigte, ließ sich mit Wohlgefallen ähnliche Berichte von einemunabhängigen jüdischen Staate in Afrika erzählen und druckte sie alsglaubwürdig ab?) Tie Lage in der Gegenwart machte solche Märenglaublich.
Joseph von Naxos trug sich nämlich lange mit dem Gedanken,ein kleines jüdisches Gemeinwesen zu gründen. Der Jude und derStaatsmann in ihm, beide hingen diesen: Plane nach, und die groß-artigen Reichtümer seiner Schwiegermutter, über die er verfügenkonnte, sollten ihn: als Mittel dazu dienen. Schon als flüchtigerMarrane hatte er an die Republik Venedig ernstlich das Gesuchgestellt, ihm eine der zu diesem Staate gehörenden Inseln zu über-lassen, um sie mit jüdischen Bewohnern zu bevölkern. Er wurdeaber damit abgewiesen ch, entweder aus christlicher Engherzigkeit oderaus kaufmännischer Furcht vor Konkurrenz. Als er später in Gunst
u Vergl. Note 7. ch Akrisch in Ende.
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