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Geschichte der Juden.
die Liebe zur Poesie voraus. Er bildete eine Art poetischer Schuleoder poetischen Kreises. Er ließ nämlich von Zeit zu Zeit diejenigen,welche in der neuhebräischen Poesie etwas leisten konnten, auf seineKosten zusammenkommeu, um ihre Gedichte vorzulesen oder vonEntfernten die Früchte ihrer Muße einsenden, um ihren Eifer fürdie so sehr verwaiste schöne Kunst rege zu machen. Unter den zahl-reichen Dichtern des Jbn-Jachjanischen Kreises zeichneten sich zweiaus, Jehuda Zarko und Saadia Longo. Allenfalls läßt sichnoch der in Damaskus lebende, im Versemachen fruchtbare, letztePoetan Israel Nagara dazu zählen. Freilich im Inhalte ihrerVerse ist nicht viel von Poesie zu finden. Sie zeigen weder Er-habenheit, noch Schwung, noch irgend welche Empfindung. Diereligiösen Oden und moralischen Betrachtungen dieser drei bessernDichter bewegen sich in Gemeinplätzen und haspeln nur das Längst-gedachte und Empfundene in anders versetzten, oft auch in denselbenKlängen ab. Allenfalls in Epigrammen haben sie noch einigesLeidliche geleistet, namentlich Zarko. Nur wegen ihrer Formenglätteund wohlklingenden Verse verdienen sie den Namen Dichter. Esversteht sich von selbst, daß dieser Dichterkreis seinen Gönner undBeschützer Gedalja Jbn-Jachja durch Verse verherrlicht hat. IsraelNagara hat in seiner Jugend viele weltliche Verse gemacht, undauch seine religiösen Verse sind — auffallend genug — dem Vers-maß und Reime weltlicher Gedichte und sogar türkischer, spanischerund neugriechischer Liebeslieder nachgebildet. Israel Nagara warfman vor, der Weinrausch habe seine poetischen Ergüsse gefördert,und in der heitern Stimmung soll er sich gar nicht ehrbar ge-berdet haben.
Auch lateinische Verse zu machen, waren die Juden der Türkeiinfolge der Sicherheit und Behaglichkeit ihres Daseins aufgelegt.Selbstverständlich waren es eingewanderte Marranen, welche in demgroßen Kerker Spanien oder Portugal auch die Sprache ihrer Zwing-herren gelernt hatten. Als der gewissenhafte Arzt Amatus Lusitanus,der von Königen und Bettlern gesuchte Helfer, welcher wegen derUnduldsamkeit des reaktionären Regiments von Italien (o. S. 327 f.)nach Salonichi ausgewandert war und dort sich neue Freunde undBewunderer erworben hatte, ein Opfer seiner Tätigkeit gewordenund an der Pest gestorben war, setzte ihm einer seiner Freunde,der Marrane Flavio Jacobo de Evora, ein Denkmal in schönenlateinischen Versen. „Er, der das entfliehende Leben so oft im siechenKörper zurückgerufen, bei Königen und Völkern darum beliebt war,liegt fern von seinem Geburtslands im mazedonischen Staube". H
U Larbosa Uaebaclo Libliotbeca Imsüana I, i>. 129. Aiiiatns starb2>. Januar 1568.